{"id":229,"date":"2024-07-12T14:05:47","date_gmt":"2024-07-12T14:05:47","guid":{"rendered":"https:\/\/hgu2read.de\/?p=229"},"modified":"2024-07-12T14:05:47","modified_gmt":"2024-07-12T14:05:47","slug":"triduum2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hgu2read.de\/interessen\/triduum2023\/","title":{"rendered":"Triduum2023"},"content":{"rendered":"<p>Von Gr\u00fcndonnerstagabend bis zur Osternacht geht der l\u00e4ngste Gottesdienst der katholischen Fr\u00f6mmigkeitstradition. Viele Zeichen wollen die Gl\u00e4ubigen in diesen drei Tagen unterst\u00fctzen, sich der verwandlenden Kraft Gottes zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Predigtgedanken aus den Gottesdiensten in Altingen sind an dieser Stelle zusammengefasst ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<h2>Predigtgedanken des Gr\u00fcndonnerstag<\/h2>\n<p>Liebe Mitchristen - Unser heutiger Gottesdienst bekommt gleich durch die Fu\u00dfwaschung einen eigenen Akzent.<\/p>\n<p>Was denken Sie, w\u00e4re anders, wenn wir dieses Zeichen regelm\u00e4\u00dfiger begehen w\u00fcrden? K\u00f6nnten wir mehr begreifen, was Jesus an uns getan hat? W\u00fcrde es helfen, SEINEM Beispiel zu folgen. W\u00e4re Christi Beispiel in der Welt gegenw\u00e4rtiger? G\u00e4be es dann Kirche noch?<\/p>\n<p>Fragen, die einladen, sich diesem Zeichen zu n\u00e4hern - dem Dienen. Wer so auf andere zugeht, kommt nicht von oben herab. So entsteht ein Tun auf Augenh\u00f6he. Dieses Dienen bringt in den Menschen, die so zusammen sind, etwas in Bewegung, ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Vielen erscheint Dienen nicht attraktiv. Auf den ersten Blick hat ein Dienender weniger vom Leben als der Bediente. So ein Blick bleibt an der Oberfl\u00e4che, ist bestimmt von Macht und Status. Jemand, der sich Dienende leisten kann, ist dann jemand besseres, zu dem man aufschaut. Um diese Sichtweise zu verlassen, hilft mir ein Zitat Jesu von Paulus, das uns in der Apostelgeschichte \u00fcberliefert ist: <em>Geben ist Seliger als Nehmen<\/em>. Dieses Wort hat eine \u00fcberraschende Sprengkraft. Das m\u00f6chte ich Ihnen an einem Beispiel aus meinem fr\u00fcheren Arbeitsgebiet verdeutlichen.<\/p>\n<p>In der Welt der Computerprogramme gibt es n\u00e4mlich Unbezahlbares. Es gibt freie Programme, die man nutzen, aber nicht kaufen kann. Wer dar\u00fcber nachdenkt, wie so etwas entsteht, kommt schnell zu grundlegenden Fragen: Was macht einen Menschen zufrieden? Was f\u00fchrt dazu, dass andere das eigene Anliegen aufgreifen? Was bewegt etwas in der Welt? Was bedeutet f\u00fcr mich, f\u00fcr uns gro\u00df zu sein? Zu wem schaue ich auf?<\/p>\n<p>Freie Software ist f\u00fcr mich wie ein Kommentar zum heutigen Evangelium. Im Gestalten solcher Projekte haben Menschen etwas entdeckt, was Jesus als Beispiel vorgelebt hat.<\/p>\n<p>2 Beobachtungen: Ein Leiter sollte dem\u00fctig sein, wenn er andere auf Dauer dazu bewegen will, sein Anliegen aufzugreifen.<\/p>\n<p>Oder: ein Mensch, der durch sein Geben anderen hilft, freier und selbstbestimmter das Leben zu gestalten, findet mehr Befriedigung, als wenn er von anderen etwas nimmt. Diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit ist f\u00fcr uns Menschen sehr grundlegend - schon oft bei Kindern zu beobachten.<\/p>\n<p>Im Umfeld der Computer hat sich eine Kultur des Gebens entwickelt, ohne bewusst einen christlichen Glauben zu leben. Leider verbinden viele Personen aus diesem Umfeld Kirche eher mit Nehmen als mit Geben.<\/p>\n<p>Vor wenigen Wochen bin ich auf einen Vordenker gesto\u00dfen, der u.a. als Berater im Team von Barak Obama war. Nipun Metha zeigt mit seinem Konzept der Schenk\u00f6konomie, warum Geben und Dienst so bedeutsam sind. Als Inder hat er einen anderen religi\u00f6sen Hintergrund, auf der Ebene der Lebenspraxis, also der Grundausrichtung des Lebens mit Geben und Dienen, passen seine Gedanken \u00fcberraschend gut zur Botschaft Jesu.<\/p>\n<p>Wie erleben Sie Gemeinde -- unsere Kirche? Die Menschen, die sich beruflich einsetzen, dass die Kirche lebt? Was ist da im Vordergrund? Ist es Geben oder Nehmen, Dienen oder Helfen \/ Versorgen? Welche Bedeutung hat da ein Status, der Wunsch gro\u00df und m\u00e4chtig zu sein? Jesu Beispiel f\u00fchrt uns zum Geben, zum Dienen. So sind wir st\u00fctzend f\u00fcr andere erfahrbar. Ohne dass sie uns zum Experten machen, zu uns aufschauen, sich klein erleben. Gemeinsam sorgen dann beide Seiten auch f\u00fcr den inneren Menschen, die Seele, das verbinden viele mit Seelsorge. Seelsorge ist dann eine Erfahrung im Miteinander. Die Gemeinde ist Tr\u00e4gerin der Seelsorge sagen die Dokumente unsere Di\u00f6zese. Hier hat sich im Zuge des 2. Vatikanums etwas ver\u00e4ndert. Statt Versorgung der Gl\u00e4ubigen, das zur Abh\u00e4ngigkeit f\u00fchrt, gibt es nun ein Miteinander im Volk Gottes -- Selbstverantwortung.<\/p>\n<p>In der \u00fcberschaubaren Welt der Computerszene hat dieser Blick auf das Geben dazu gef\u00fchrt, dass freie Programme entstehen. Viele machen mit, entwickeln sie weiter. Kennen Sie so eine Erfahrung? Ich selber erlebe mich kreativ und ich setze mich daf\u00fcr ein, dass andere dies auch k\u00f6nnen. Ich habe Gottes Gnade empfangen, sagen wir in der Sprache des Glaubens, und ich kann dies nicht f\u00fcr mich behalten, m\u00f6chte und muss dies weitergeben. Das ist im Grunde ja auch das Wesen der Eucharistie, also dieses Tun Jesu, welches uns immer wieder zusammen f\u00fchrt. Er dankt und teilt und alle werden satt... So wachsen wir heraus aus der Abh\u00e4ngigkeit, in der man versorgt wird. Selbstverantwortlich erkennen wir, wie viel mehr dieses Hineinfinden in den Kreislauf des Lebens zufrieden stellt und andere sollen dies auch erleben.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen jetzt denken, der mit seinem Computerzeug. Jeder kennt Menschen, die lieber nehmen als geben, die auf Kosten von anderen leben. Hat das Beispiel Jesu eine Zukunft? Diese erfolgreiche Entwicklung aus der Computerszene zeigt, das Beispiel Jesu ist lebbar. Was k\u00f6nnte diesen Fokus auf das Geben f\u00fcr unseren Umgang mit der ganzen Sch\u00f6pfung ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p>Seit fast 60 Jahren muss sich unsere Kirche neu orientieren. Im Vatikanum II entstand eine andere Sicht von Kirche und Gemeinde. Jahrhunderte lang war das Monopol im Vordergrund und die Frage der Macht. Die alleinseligmachende Kirche versorgte die Menschen, war f\u00fcr sie verantwortlich und gab dann auch ihre Lebensf\u00fchrung vor. Heute wei\u00df die Kirche, das es viele Wege gibt, die N\u00e4he Gottes zu suchen. Und sie geht ihren Weg als pilgerndes Gottesvolk mit hoffentlich gutem Selbstbewusstsein. F\u00fcr uns fast unbemerkt hat sich in vielen L\u00e4ndern eine neue Reformation der Glaubenspraxis entwickelt. Pfingstkirchen waren und sind f\u00fcr aktive Gl\u00e4ubige anziehend. In ihnen konkretisiert sich unser Glaube, dass wir, durch die Gabe unseres Lebens an diesen Geist Gottes, Werkzeuge Seine Liebe werden k\u00f6nnen. Das ist in \u00fcberkommenen Strukturen der Kirche oft nicht im Blick.<\/p>\n<p>Eine Person muss nicht erst jahrelang ausgebildet werden oder einen besonderen kirchlichen Auftrag bekommen, um bewusst Jesus Christus im eigenen Leben Raum zu geben. In der Kraft des Rufes Jesus Christi, ich habe Euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt habe, d\u00fcrfen und k\u00f6nnen alle sich einbringen: Ob es die Besuche bei Nachbarn oder anderen Menschen sind, die diese Zuwendung brauchen, ob es das Engagement in der Familie ist oder in unterschiedlichen Vereinen und nicht zuletzt in den Gruppierungen der Gemeinde. Das Beispiel Jesu vom Geben und Dienen ist ja nicht auf den Raum der Kirche, der Gemeinde beschr\u00e4nkt. Haben Sie Mut, etwas f\u00fcr sich passendes zu probieren. So sind wir gemeinsam Werkzeug f\u00fcr Gottes Liebe - erleben konkrete Seelsorge, also Sorge f\u00fcr den inneren Menschen.<\/p>\n<p>Das Beispiel wird nun st\u00e4rker durch die Fu\u00dfwaschung herausgehoben. Konkret wurden Personen gewonnen, die sich einbringen, damit wir in unserem Ort in St.\u00a0Magnus gemeinsam gut Gottesdienst feiern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Stellvertretend f\u00fcr viele, die durch ihr Engagement Miteinander in der Gemeinde und im Gemeinwesen Altingen erm\u00f6glichen, m\u00f6chte ich nun an den beiden dieses Zeichen vollziehen. M\u00f6gen wir alle sp\u00fcren, es lohnt sich, an Jesu Beispiel das eigene Leben auszurichten.<\/p>\n<h2>Gedanken der Karliturgie<\/h2>\n<p><em>Du bist ein Gott, der mich sieht<\/em> Diese Gotteserfahrung aus dem ersten Buch der Bibel, dem Buch Genesis, liebe Mitchristen steht \u00fcber 2023 als \u00f6kumenische Jahreslosung. Sie ist entstanden in einer sehr traumatischen Situation - Hagar, die Sklavin, kann die Schikanen ihrer Herrin, Sarah, der Frau des Abrahams, nicht mehr aushalten und flieht in die W\u00fcste.<\/p>\n<p>Dort kann sie eigentlich nur auf den Tod warten. Und dort erf\u00e4hrt sie dann Ansehen, welches sie sonst im Leben vermissen muss, und das ver\u00e4ndert grundlegend ihr Leben.<\/p>\n<p>Kann uns diese Erfahrung heute etwas sagen? Unser Gottesdienst l\u00e4dt ein zum Hinsehen - wir k\u00f6nnen bewusst darauf achten, welche Fragen, Anliegen in uns lebendig werden. Diese gemeinsame Achtsamkeit in unserer Gottesdienstgemeinschaft m\u00f6chte uns ja ver\u00e4ndern, verwandeln.<\/p>\n<p>Die Erfahrung der Jahreslosung (im Beitragsbild graphisch gestaltet) - wohlwollendes Ansehen - ist ja nicht selbstverst\u00e4ndlich. Ein Kontakt mit Gott erscheint vermutlich oft als ringen - anstrengend, und auch schmerzhaft. Den J\u00fcngern, die angesichts Seines Todes sich an Jesu Leben erinnerten, wurde bewusst, wie er mit lautem Schreien und unter Tr\u00e4nen Gebete und Bitten vor den gebracht hat, der ihn aus dem Tod retten konnte. So h\u00f6rten wir in der 2. Lesung heute. Matth\u00e4us berichtet dazu, Jesus hat am Kreuz den Ps 22 gebetet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, so beginnt dieses Gebet. Es lohnt sich, dieses lange Gebet der Bibel zu betrachten. Gestern in der Gebetszeit haben das einige von uns ja schon gemacht. Vielleicht erinnern Sie sich noch an diese Psalmverse. Die Menschen, die diesen Psalm beten, setzen auf dieses Ansehen. Im Psalm hei\u00dft es: <em>Er hat nicht verabscheut des Elenden Elend. Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; er hat geh\u00f6rt, als er zu ihm schrie.<\/em><\/p>\n<p>Das Gottesknechtslied, die erste Lesung heute, weist auf eine Erfahrung hin, die bei dem Ringen einen Unterschied machen kann. <em>Denn was man ihnen noch nie erz\u00e4hlt hat, das sehen sie nun; was sie niemals h\u00f6rten, das erfahren sie jetzt.<\/em> Staunen, ein Aha - Moment, wir nennen diese Emotion auch Ehrfurcht wird da Menschen geschenkt. Ehrfurcht Staunen ver\u00e4ndert die eigene Wahrnehmung. Da leistet jemand gewaltlos Widerstand und diese Tat der Liebe, diese Hingabe seines Lebens, dieses Leiden bekommt in Gottes Augen Sinn, als Heiliges Tun - so k\u00f6nnten wir ja das Wort Opfer als religi\u00f6sen Begriff versuchen zu \u00fcbertragen - das vers\u00fchnt, also wieder neu Beziehung schenkt.<\/p>\n<p>Gestern an Gr\u00fcndonnerstag haben wir \u00fcber das Dienen nachgedacht - \u00fcber die Perspektive, die so entsteht, im gemeinsamen Tun f\u00fcr das Leben als Ganzes. Ein Vordenker f\u00fcr eine Kultur des Gebens, Nipun Mehta, weist darauf hin, dass Geben sein Potential f\u00fcr den Geber besonders entfaltet, wenn es erfahrbar ist, als heiliges Tun, Dienst am Leben, im Wissen, es passt zu Gottes Blick, der wohlwollend auf uns alle schaut.<\/p>\n<p>Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht. Er l\u00e4dt ihre Schuld auf sich. Schuld weist auf die Verantwortung f\u00fcr ein Tun hin. Als Konsequenz des eigenen Tuns zeigt sich nun etwas meist nicht positiv Erlebtes. Schuld kennen wir auch als Begriff aus der Finanzwelt. Wer Schulden macht, verwendet Geld, was er nicht hat. Es ist - wenn man so will - eine Form des Nehmens. Mit dieser Br\u00fccke kann fremde Schuld auf sich zu laden als eine Weise des Gebens verstanden werden, etwas, was ja auch im Wort Vergebung aufscheint. Fremde Schuld auf sich zu nehmen - das ist meist nicht attraktiv lieber machen wir Schulden - um das Wachstum anzukurbeln, oder aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Hier zeigt sich deutlich eine andere Perspektive. Wir d\u00fcrfen uns fragen, was kann uns helfen, die Schuld anderer zu \u00fcbernehmen, mitzutragen? Oder zumindest sich daf\u00fcr zu engagieren, dass nachfolgenden Generationen nicht zugemutet wird, unsere Schulden zu \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>Leid, so h\u00f6re ich in den beiden Lesungen, die uns auf die Passion eingestimmt hatten, kann Sinn bekommen, wenn wir dies mit der Gemeinschaft der Menschen verbinden k\u00f6nnen. H\u00f6ren wir noch mal ins Gottesknechtlied: <em>Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem Herrn gef\u00e4llt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht.<\/em> So kann Licht also Sinn aufscheinen und Nachkommen, also Menschen, die dieses Anliegen aufgreifen, kommen in den Blick.<\/p>\n<p>Gleich sind wir eingeladen, dem Kreuz in besonderer Weise zu begegnen, nicht wegzuschauen, staunend, ehrf\u00fcrchtig Jesu Dienst an uns wahrzunehmen und uns davon bewegen zu lassen. Bei der Kreuzverehrung k\u00f6nnen wir ein Augensymbol, als Zeichen unserer Aufmerksamkeit, ans Kreuz legen und so unsere Bereitschaft ausdr\u00fccken, Leid in unserer Welt an uns heranzulassen, damit ER mit uns und durch uns erfahrbar werden l\u00e4sst - Menschen und dar\u00fcber hinaus alle Lebewesen in unserer Welt sind auch in schwierigen Lebenssituationen wohlwollend angesehen.<\/p>\n<h2>Gedanken der Osternacht<\/h2>\n<p>Die Worte der Bibel in unserem Gottesdienst heute sollen uns helfen, Christi Licht aufzunehmen. Darum feiern wir diese Nacht, die so anders ist. Was das Aufnehmen bedeutet bringt dieser Taiz\u00e9ruf gut ins Wort: <em>Christus, dein Licht verkl\u00e4rt unsere Schatten, lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde und du sagst uns auch ihr seid das Licht.<\/em><\/p>\n<p>Wo versucht das Dunkel zu uns zu sprechen? Der Krieg in der Ukraine, die Ver\u00e4nderungen im Klima sind da 2 Beispiele, die vermutlich jedem und jeder einfallen.<\/p>\n<p>Ums rechte H\u00f6ren geht es auch im Buch Baruch. Eine graphische Gestaltung des Textes findet sich <a href=\"https:\/\/hgu2read.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/GestaltungBaruch.pdf\">hier<\/a>. Diese Lesung fordert uns auf, zu h\u00f6ren, aufzumerken, um Einsicht zu erlangen. Warum verlassen wir den Quell der Weisheit, gehen nicht mehr auf Gottes Wegen? Die Versuchung ist gro\u00df, auf Kosten von anderen das Leben zu f\u00fchren, sich nicht auf die Sch\u00f6pfungsordnung, auf das Licht Christi einzulassen. Wir k\u00f6nnen neu lernen, wo Einsicht, Kraft und Klugheit zu finden sind. Die Sch\u00f6pfung darf uns inspirieren, so wie die Sterne zu antworten HIER SIND WIR.<\/p>\n<p>Dies ist die Einladung auch heute in unserer Osternachtsfeier. Gleich gibt es die M\u00f6glichkeit, das eigene Taufversprechen zu erneuern. Die meisten von uns sind ja als Kleinkind getauft. So wird deutlich, Gottes Wirken steht an erster Stelle. Er gr\u00fcndet, entsendet, ruft. Wir d\u00fcrfen nun neu, als die Person, die wir jetzt sind, antworten, uns seiner Weisung \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Jede Eucharistiefeier erinnert an die Erfahrung des Propheten Jesaja, der die Herrlichkeit Gottes wahrnahm und das Heilig der Engel h\u00f6rte. Das Sanktus, das Heilig verweist darauf. Der Prophet antwortet dann auf den Ruf, den er h\u00f6rt mit <strong>Hier bin ich, sende mich.<\/strong><\/p>\n<p>Zuvor noch ein Blick auf weitere Impulse dieses Gottesdienstes. Die Leseordnung der Osternacht, die ja mit der liturgischen Erneuerung des Konzils entstanden ist, m\u00f6chte deutlich machen: Die Erfahrung am Roten Meer soll unsere Spiritualit\u00e4t, also unser Glaubensleben im Alltag pr\u00e4gen. Wir Christen d\u00fcrfen so leben, dass deutlich ist: Die Schwachen werden nicht zuschanden, die Starken, die nur auf sich selbst vertrauen und auf Kosten der Schwachen leben wollen, gehen unter. Diese Erfahrung von Schutz, Bewahrung und von N\u00e4he zu Gott, haben immer wieder Menschen gemacht. Sie ist nicht automatisch, sonst w\u00fcrde es Jesu Tod nicht geben, der auf der Seite der Schwachen stand und erleben musste, dass die Starken sein Leben vernichteten, um sich der St\u00f6rung zu entledigen. Und dann war die St\u00f6rung doch nicht weg, Gottes Kraft, sein Geist hat Jesus nicht im Tod gelassen, die Schwachen, auf deren Seite Jesus stand, merkten, er lebt, er steht weiterhin auf ihrer Seite, wenn auch in einer anderen Weise als vorher. Er erm\u00f6glicht ihnen, selber ihr Leben in die Hand zu nehmen, sich konkret aus Abh\u00e4ngigkeit zu befreien. 2 Beispiele f\u00fcr solche Tendenzen in unserer Gesellschaft. Mancher sp\u00fcrt eine Abh\u00e4ngigkeit von billiger Energie und wei\u00df um die Auswirkungen auf das Klima. Manche Person fragt sich aktuell, warum sie so gehetzt ist, oft eine Nebenwirkung der Nutzung sozialer Medien, die gezielt Abh\u00e4ngigkeiten schaffen.<\/p>\n<p>Dass Starke nicht immer gewinnen, das zeigen manche Kriege der letzten Jahrzehnte, ob in Vietnam, in Afghanistan oder im Irak. Das ist auch die Hoffnung der Menschen in der Ukraine.<\/p>\n<p>In der Lesung aus dem Buch Baruch begegnet uns ein Weisheitsgedicht, sagt ein Kommentar. Gedichte verdichten - bringen auf den Punkt. Die Suche nach Weisheit ist eine wesentliche Form der Gottesvergewisserung. Gemeinsam d\u00fcrfen, k\u00f6nnen wir uns dieser Weisheit \u00f6ffnen. Wir sind immer neu gerufen, den Weg der Weisheit Gottes in unserer Zeit zu gehen.<\/p>\n<p>Der Aufbruch, als Volk Gottes den Weg zu gehen, ist eine wichtige Vorstellung von gutem Leben, damals und heute. So sind wir Licht der Welt, wie es im Taiz\u00e9ruf hei\u00dft, wie es Jesus denen, die von ihm lernen, zugesagt hat. Lassen wir uns darauf ein - finden wir zu diesem Entschluss - hier bin ich, sende mich - und \u00f6ffnen uns so im Gehen dem Geheimnis von Ostern. Leben im Sinn Gottes geht anders als durch Zerst\u00f6rung also der Starken auf Kosten der Schwachen. Leben gelingt, so hatten wir ja schon am Beginn dieses dreit\u00e4gigen Gottesdienstes an Gr\u00fcndonnerstag wahrgenommen wenn wir das Beispiel Jesu des Dienens und des Gebens aufnehmen, so wie er es vorgemacht hat im H\u00f6ren und Annehmen der Weisheit Gottes. Dann scheint seine Gegenwart im eigenen Leben als Licht auf. Das meint das Geheimnis dieser Nacht - Passia - Vor\u00fcbergang Gottes<\/p>\n<p>Darum ist diese Nacht so anders - Darum feiern wir sie bewusst und erhoffen das \u00f6sterliche Licht f\u00fcr unseren Lebensweg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Gr\u00fcndonnerstagabend bis zur Osternacht geht der l\u00e4ngste Gottesdienst der katholischen Fr\u00f6mmigkeitstradition. Viele Zeichen wollen die Gl\u00e4ubigen in diesen drei Tagen unterst\u00fctzen, sich der verwandlenden Kraft Gottes zu \u00f6ffnen. Die Predigtgedanken aus den Gottesdiensten in Altingen sind an dieser Stelle zusammengefasst ver\u00f6ffentlicht. 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