{"id":273,"date":"2024-07-21T14:59:06","date_gmt":"2024-07-21T14:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/hgu2read.de\/?p=273"},"modified":"2024-07-21T14:59:06","modified_gmt":"2024-07-21T14:59:06","slug":"hirtendienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hgu2read.de\/interessen\/hirtendienst\/","title":{"rendered":"Hirtendienst"},"content":{"rendered":"<p>Gedanken zum Hirtendienst in der Kirche, angesto\u00dfen von den Lesungen am 16. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:<br \/>\nJer 23, 1-6, Ps 23, Eph 2, 13-18, Mk 6, 30-34<\/p>\n<p><strong>Liebe Mitchristen<\/strong><br \/>\nDie Worte des heutigen Evangeliums sind f\u00fcr mich ein wichtiger Schl\u00fcssel. Jesus Christus sieht die Menschen, erkennt, dass ihnen etwas fehlt, hat mit ihnen dem Mitleid, und wendet sich ihnen zu.<\/p>\n<p>Wir glauben, dass die Kirche der Leib Christi ist, dass dort, wo Menschen versammelt sind in seinem Namen, sie Anteil haben an Jesus Christus, an seiner Sendung. Was nehmen Sie wahr, wenn Sie heute auf die Menschen in Ihrer Umgebung schauen?<\/p>\n<p>Woran w\u00fcrden Sie festmachen, dass da Menschen ohne Hirten sind? Also ohne pastorale Zuwendung leben m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Ich selber merke an solchen Menschen und auch an mir, wenn ich gerade einen Hirten vermisse, man ist leicht irritierbar, unruhig, ... Es fehlt das Wissen um die Grundrichtung des Lebens, das Vertrauen.<\/p>\n<p>Und ich m\u00f6chte Ihnen eine vielleicht provozierende These vorstellen. Bei uns in Rottenburg leben viele Menschen ohne diese Zuwendung, ist viel Bedarf an Hirten, an Seelsorge da, ein Bedarf, der dann in dieser fehlenden Ruhe und Gelassenheit erkennbar ist. Und in diesen Mangel hinein ruft der Geist Gottes Seelsorger und Seelsorgerinnen.<\/p>\n<p>2 Erfahrungen dazu: Wir hatten im Fr\u00fchjahr w\u00e4hrend der Pandemie in meiner damaligen Gemeinde einen Alpha-Kurs-online und Firmbewerber*innen haben da mitgemacht. Eine Firmbewerberin schreibt im R\u00fcckblick zu diesem Kurs: ,,Mir ist die Entscheidung, eine bestimmte Gruppe zu verlassen, sehr schwer gefallen. Die Kraft und den Mut dazu habe ich mir aus den Gespr\u00e4chen mit meiner Mutter und auch aus dem Alphakurs geholt. Daher war der Alphakurs f\u00fcr mich sehr wichtig und auch gleichzeitig mit die beste Firmvorbereitung. Es hat mir so gut gefallen, dass ich im Herbst gerne damit weitermachen m\u00f6chte.&quot; Im Kontakt mit der Mutter und anderen Jugendlichen im Alpha-Kurs hat diese Firmbewerberin Kraft und Orientierung gesp\u00fcrt, Seelsorge.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine andere Erfahrung, die gerade durch die letzten Jahrhunderte der Kirchenwirklichkeit bestimmt ist. Da werden ausschlie\u00dflich vielleicht sogar die Pfarrer als Seelsorger bezeichnet, und in dieser Rollenbeschreibung sollen sie dann auch die Seelsorge betreiben. Daf\u00fcr werden sie bezahlt. Die Blickrichtung auf den hauptberuflichen Seelsorger verstellt die Chance, die sich durch die Entwicklung des Vat II in unserer Kirche auftut. Statt die M\u00f6glichkeiten zu sehen, die entstehen, wenn sich viele Christen der Gemeinde in die Seelsorge einbringen, steht eine Erwartung an andere im Raum. Und damit eine Vorstellung von Kirche, von Pfarrei, die mit dem 2. Vatikanum bewusst verabschiedet wurde. Dies m\u00f6chte ich am Beispiel der Gemeindereferentinnen erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Dieses Berufsbild existiert in unserer Kirche schon ca. 90 Jahre. Anf\u00e4nglich waren es Seelsorgehelferinnen, unverheiratete Frauen, die dem Seelsorger, dem Pfarrer halfen. Das Monopol auf Seelsorge in diesem Verst\u00e4ndnis hatte der Pfarrer. Aber diese Zeiten des Monopols sind vorbei, das zeigt auch die heutige Berufsbezeichnung: Gemeindereferentin. Am vergangenen Samstag war \u00fcbrigens in diesem Jahr die Feier der Beauftragung von Personen f\u00fcr diese Berufsgruppe in Untermarchtal<\/p>\n<p>Das Wort Gemeinde bringt f\u00fcr mich besser zum Ausdruck: die ganze Gemeinde tr\u00e4gt den Hirtendienst in der Kirche, tr\u00e4gt die Seelsorge. Alle Getauften haben - wie das II. Vatikanische Konzil betont - durch die Taufe teil an Jesus Christus, an seinem Priestertum, somit am Dienst an den Mitmenschen. Dies meint auch Mitverantwortung f\u00fcr die Bereitung von geistlichen und kirchlichen Berufen in den Gemeinden, Gemeinschaften und Familien, f\u00fcr den Nachwuchs von hauptberuflichen Seelsorgern und Seelsorgerinnen.<\/p>\n<p>Im Wort Beruf steckt das Wort Ruf. Wer oder was ruft denn da? In meinem Leben war es wichtig, dass Menschen mir sagten, wir brauchen dich, mach mit, wir wollen dich als unseren Hirten. Mit der Verantwortung bin ich in meinem geistlichen Leben gewachsen und konnte mir dann auch vorstellen dieses Engagement hauptberuflich zu machen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich haben es mir viele Aktive aus unterschiedlichen Gemeinden erz\u00e4hlt. Sie haben oft erlebt, wie sie und ihr Glauben, wie lebendig dieser auch war, gebraucht wurde, z.B. bei der Glaubensweitergabe an die eigenen Kinder und es sich so vertiefte.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich glaube ich, dass der Weg aus der Krise der Kirche und der geistlichen Berufungen \u00fcber die lebendige Teilhabe vieler am Gemeindeleben geht.<\/p>\n<p>Wenn viele erleben, das der Hirtendienst im Namen Jesu Christi ein Privileg ist, dass sie mit Vertrauen und Gaben beschenkt, dann glaube ich, werden auch mehr Menschen sich diesem Ruf so \u00f6ffnen, dass er ihr Leben ganz bestimmen kann.<\/p>\n<p>Die Form unsere Kirche am Ort wird sich ver\u00e4ndern. Davon bin ich \u00fcberzeugt. Mir ist auch klar, dass Kirche als Miteinander von Menschen im Glauben, die einander vertrauen und gemeinsam auf Gott h\u00f6ren, also IHM geh - h\u00f6ren, der Ort ist, an dem Kirche wirklich, real wird, und an dem Seelsorge geschieht. Ein Kirchenvater hat einmal gesagt: die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch und das ist ein Mensch, der sich mit seinen Gaben im Namen Jesu Christi des GUTEN HIRTEN einbringt.<\/p>\n<p>Ich denke, in unserer immer anonymer werdenden Industrie- und Konsumgesellschaft gibt es viele, die nach dieser Gemeinschaft und Seelsorge suchen, nach Menschen, die mit ihnen die Antennen zu Gott, zu den gro\u00dfen Fragen nach dem Sinn, dem \u201ewoher und wohin und wozu&quot;, aufstellen und bereit sind, Wegstrecken in ihrem Leben gemeinsam zu gehen. Das zeigt auch die Resonanz auf die Alpha-Kurse, die an vielen Orten laufen. Diese Bewegung hat sich \u00fcbrigens zum Ziel gesetzt, bis 2033 jedem Menschen auf der Welt eine M\u00f6glichkeit zu bieten, in diesem Kontext den eigenen Lebensfragen nachzugehen, also auch in China und anderen Teilen unserer Erde, wo der christliche Glaube keine gro\u00dfe Verbreitung hat, oft sogar verfolgt wird, weil die pers\u00f6nliche Freiheit, die der Glaube erm\u00f6glicht, die Macht der autorit\u00e4ren Systeme dieser L\u00e4nder st\u00f6rt. Zum Dienst der Seelsorge sind f\u00fcr mich viel mehr gerufen, als eine Kirche und Glaubensgemeinschaft bezahlen k\u00f6nnte. Denn dieser Dienst ist, wie auch die Liebe, im Grunde unbezahlbar. Wenn Jesus die Menschen im Evangelium lange lehrt, dann stelle ich mir vor, dass er ihnen erschlie\u00dft, wie sie sich dem Heiligen Geist, dem Leben aus Gott, dem anbrechenden Reich der Himmel \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zum Hirtendienst in der Kirche, angesto\u00dfen von den Lesungen am 16. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B: Jer 23, 1-6, Ps 23, Eph 2, 13-18, Mk 6, 30-34 Liebe Mitchristen Die Worte des heutigen Evangeliums sind f\u00fcr mich ein wichtiger Schl\u00fcssel. 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