{"id":594,"date":"2025-07-18T13:49:12","date_gmt":"2025-07-18T13:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/hgu2read.de\/interessen\/?p=594"},"modified":"2025-07-20T08:56:27","modified_gmt":"2025-07-20T08:56:27","slug":"besuch-bei-maria-und-martha-16-so-im-jk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hgu2read.de\/interessen\/besuch-bei-maria-und-martha-16-so-im-jk\/","title":{"rendered":"Besuch bei Maria und Martha &#8211; 16 So im JK"},"content":{"rendered":"<h3>Biblische Lesungen:<\/h3>\n<ul>\n<li>1.Lesung Gen 18,1-10a<\/li>\n<li>Evangelium Lk 10,38--42<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Einf\u00fchrung:<\/h3>\n<p>Unser Leben sei ein Fest - haben wir gesungen. Wenn wir uns versammeln, dann nehmen wir den Alltag mit seinen Sorgen und M\u00fchen mit. Vermutlich war manches in der vergangenen Woche so, dass dieses Fest in den Hintergrund r\u00fcckt. Jetzt, von Jesus zu seinem Tisch geladen, d\u00fcrfen wir die Sorgen und M\u00fchen bewusst ruhen lassen.<\/p>\n<p>Anliegen des Berufs, der Familie, der Hobbies, der pers\u00f6nlichen Situation, sie sind da, aber brauchen uns jetzt nicht bestimmen.<\/p>\n<p>Im H\u00f6ren auf Gottes Wort suchen wir die richtige Gewichtung, die F\u00e4higkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Und so Zugang zu einer Freude finden, die auch anders ist - als Grundlage des Festes, zu dem Jesus uns einl\u00e4dt.<\/p>\n<h3>Evangeliumstext nach F. Stier<\/h3>\n<p>Als sie weiterwanderten, kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihrem Haus auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria gerufen wurde. Die hatte sich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen gesetzt und h\u00f6rte sein Wort.\\<br \/>\nMarta aber musste sich schinden mit vielen Diensten. Und sie trat auf und sprach: Herr, k\u00fcmmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein dienen l\u00e4\u00dft? Sag ihr doch, dass sie mit mir zufasst.\\<br \/>\nDer Herr aber hob an und sprach zu ihr: Marta, Marta! Du sorgst dich und regst dich \u00fcber vieles auf; aber man braucht nur eins. Maria hat sich also den guten Teil gew\u00e4hlt, der ihr nicht genommen werden soll.<\/p>\n<h3>Predigt: Liebe Mitchristen<\/h3>\n<p>Auch an diesem Sonntag wird ein sehr bekanntes Evangelium verk\u00fcndet. Daher habe ich heute statt der \u00fcblichen \u00dcbersetzung die Fassung von Fridolin Stier gew\u00e4hlt, einem T\u00fcbinger Theologen. Sie haben den Anfang noch im Ohr: <em>Jesus kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihrem Haus auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria gerufen wurde. Die hatte sich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen gesetzt<\/em><\/p>\n<p>Wenige Worte reichen um zu dieser Situation innere Bilder entstehen zu lassen. Diese Bilder passen zu unseren Lebenserfahrungen und zu Gedanken, die wir mit dieser Erz\u00e4hlung verbinden. Wie war das damals f\u00fcr die Zeitgenossen des Lukas?<\/p>\n<p>Die damalige Gesellschaft hatte deutlich weniger Raum f\u00fcr Frauen und deren selbstbestimmtes Leben. Martha, ihr Name bedeutet \u00fcbersetzt Herrin, Gebieterin, verh\u00e4lt sich schon ungew\u00f6hnlich. Ihr Name beschreibt ihr Selbstverst\u00e4ndnis. Sie nimmt Jesus also einen Mann, der von weiteren M\u00e4nnern begleitet wird, bei sich auf. Sie ist aktiv und darin auch ein Vorbild f\u00fcr uns - Jesus aufzunehmen ins eigene Lebenshaus, ist eine wichtige Vorstellung unseres Glaubens.<\/p>\n<p>Maria sprengt mit ihrem Verhalten die damaligen Rollenvorstellungen. Als Sch\u00fclerin setzt sie sich dem Meister, dem Lehrer zu F\u00fc\u00dfen, ist bereit von Ihm zu lernen, ist damit auch bereit, selber Meisterin zu werden, das, was sie gelernt hat, anderen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen weiterzugeben. Heute ist diese Rolle f\u00fcr Frauen nicht mehr ungew\u00f6hnlich. Aber sie bleibt umk\u00e4mpft - von Frauen, wie in dieser Geschichte, ebenso wie von manchen M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Jesus antwortet Martha am Schluss der Geschichte, <em>Du sorgst dich und regst dich \u00fcber vieles auf, aber man braucht nur eins.<\/em>\\<br \/>\nWas braucht man? Was br\u00e4uchten Sie? Wie dieses eine benannt wird, ist sicher unterschiedlich f\u00fcr jeden und jede in unserer Gemeinschaft. Deutlich ist, es geht um eine Entscheidung, eine Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diese Begegnung von Jesus und den beiden Frauen zeigt ein spirituelles Grundmuster, zB. f\u00fcr das Bibelteilen ebenso, wie f\u00fcr andere Formen der Besch\u00e4ftigung mit dem Wort Gottes. Worauf sich Menschen konzentrieren, entscheidet oft \u00fcber das, was sie wahrnehmen. Darauf weisen uns auch Philosophen hin, wie zB Hans-Georg Gadamer, der mit Beobachtungen dieser Art zum Verstehen auch das wissenschaftliche Arbeiten gepr\u00e4gt hat. Jede Person, die sich ehrlich und f\u00fcr andere nachvollziehbar mit einer Frage auseinandersetzt, sollte sich ihres Interesses bewusst werden und dieses benennen. Wenn eine Frage zur Sicherheit der Kernkraft von einem Umweltschutzbund untersucht wird, fallen andere Dinge auf, als wenn sie ein Unternehmen der Energieindustrie betrachtet. So lohnt es sich, \u00fcber das Interesse nachzudenken, sich dar\u00fcber bewusst zu werden, damit dann auch die Wahrnehmung klarer wird.<\/p>\n<p>Besonders spannungsreich wird es, wenn das eigene Interesse mit dem kollidiert, was \u00fcblich ist, was man so tut. Das erlebt in dieser Geschichte Maria mit ihrem Verhalten als Sch\u00fclerin.<\/p>\n<p>Dazu kommt dann noch ein weiterer Konflikt - die Schwester Martha hat ja auch ein Interesse: <em>Eine Frau, namens Martha nahm Jesus auf.<\/em> Was k\u00f6nnte nach Ihrer Phantasie, Martha dazu bewogen haben, Jesus aufzunehmen? Was k\u00f6nnte Sie selber dazu bewegen, gastfreundlich zu sein, Jesus aufzunehmen?<\/p>\n<p>Dann hei\u00dft es, Martha musste sich schinden mit vielen Diensten. Sich schinden m\u00fcssen ist im Leben oft angesagt. Vieles ist schwer und muss errungen werden. Wer sich schindet, f\u00fchlt sich oft allein. Selbst wenn es nicht stimmt, f\u00e4llt es schwer, andere in solchen Situationen zu sp\u00fcren. So kommt bei vielen H\u00f6renden Sympathie auf, wenn sie Marthas Frage h\u00f6rten. <em>Herr k\u00fcmmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein dienen l\u00e4sst?<\/em> Durch das Schinden gewinnt ein nicht allzu gro\u00dfen Konflikt an Bedeutung. Martha \u00e4rgert sich, weil die zur Bewirtung n\u00f6tige Hausarbeit an ihr h\u00e4ngen bleibt, w\u00e4hrend ihre Schwester als Sch\u00fclerin, J\u00fcngerin Jesu Worten lauscht.<\/p>\n<p>Kennen Sie solche Situationen, solche Konflikte? Wie gehen Sie damit um? Martha jedenfalls wartet eine m\u00f6gliche Antwort Jesu gar nicht ab. Sie versucht, Jesus mit leichtem Druck auf ihre Seite zu bekommen. <em>Sag ihr doch<\/em>... Jesus l\u00e4sst sich nicht darauf ein, ist daf\u00fcr nicht zu haben. Was k\u00f6nnte Martha in Ihrer Phantasie h\u00f6ren, wenn sie auf Jesu Antwort warten w\u00fcrde? W\u00fcrde es Jesus k\u00fcmmern? Was k\u00f6nnte Martha von Jesus lernen?<\/p>\n<p>Jesu Antwort entsch\u00e4rft den Appell, den Druck und die Unstimmigkeit. Er gibt Maria Recht, ohne Martha zu verurteilen, durchbricht so Erwartungen, die Menschen an sich und andere stellen. Das H\u00f6ren auf Gott wird Menschen nicht unt\u00e4tig bleiben lassen.<\/p>\n<p>Martha k\u00f6nnte in meiner Phantasie lernen <em>Weniger ist mehr<\/em>. Mir kommen Erz\u00e4hlungen aus der Zeit nach dem Krieg in den Sinn, wo trotz weniger Wohlstand bei der Bewirtung in der Gastfreundschaft tiefe Begegnung und Gemeinschaft m\u00f6glich wurde. Manches an Arbeit im Haus, manches an Schinderei braucht es nicht f\u00fcr Gemeinschaft, sondern nur, damit die Gastgeberin sich gut im Vergleich mit anderen wahrnimmt. Was ist mein Interesse -- darf dann wieder gefragt werden.<\/p>\n<p>Gott geht es um Beziehung. Der Gegensatz zwischen beiden Schwestern ist da nicht gro\u00df. Martha nimmt Jesus auf - eine wichtige Grundlage. Maria ist bereit von IHM zu lernen - der n\u00e4chste Schritt.<\/p>\n<p>Das H\u00f6ren auf Gott, das Lernen sollte oft vor dem Handeln stehen, der Sonntag mit seiner Ausrichtung auf Gott ist nicht umsonst der erste Tag der Woche im Verst\u00e4ndnis der Christen. Das meint nicht, dass es nur noch Sonntag gibt. Maria wird, wenn sie von Jesu lernt, nicht nur sitzen bleiben k\u00f6nnen. Das Bibelteilen ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Wie Maria versammeln sich die Teilnehmenden in der Gruppe um Gottes Wort. Im vorletzten Schritt fragen sie sich dann, was m\u00f6chte der Abschnitt aus der Bibel uns heute f\u00fcr unseren Alltag sagen. Ein christlicher Lebensstil wei\u00df sich wie Jesus Christus selbst dem H\u00f6ren auf Gott vor dem Handeln in der Welt verpflichtet. Die Geschichte verliert ihre Bedeutung, wenn statt des Vorrangs eine Alternative gesehen w\u00fcrde, wenn es also nicht mehr darum geht, was kommt zuerst, sondern ein entweder oder diskutiert wird.<\/p>\n<p>Die Schilderung der Lesung kann uns dabei helfen. Die Gastfreundschaft, die im Leben des Abraham Begegnung mit Gott erm\u00f6glicht, ist ein hoher Wert, etwas Besonderes, der M\u00fche wert. Auch andere Erz\u00e4hlungen und Ermahnungen aus der Bibel legen Wert auf das Umsetzen von dem, was im Wort Gottes deutlich wurde. So macht das Evangelium heute nicht flei\u00dfige Frauen nieder. Es schenkt denen Zuversicht, die sich auf neue Wege mit Jesus einlassen - dabei auch \u00fcberkommene Konventionen ignorieren. Es ermutigt dazu, nicht einfach drauflos zu schaffen, sondern immer wieder innezuhalten, um so Gott und seinen Auftrag zu erkennen und sich dann frohen Mutes und mit der Gewissheit seiner N\u00e4he und seines Segens einzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biblische Lesungen: 1.Lesung Gen 18,1-10a Evangelium Lk 10,38&#8211;42 Einf\u00fchrung: Unser Leben sei ein Fest &#8211; haben wir gesungen. Wenn wir uns versammeln, dann nehmen wir den Alltag mit seinen Sorgen und M\u00fchen mit. Vermutlich war manches in der vergangenen Woche so, dass dieses Fest in den Hintergrund r\u00fcckt. 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