{"id":86,"date":"2024-06-16T19:26:27","date_gmt":"2024-06-16T19:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/hgu2read.de\/?p=86"},"modified":"2024-07-12T19:19:33","modified_gmt":"2024-07-12T19:19:33","slug":"sturmstillung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hgu2read.de\/interessen\/sturmstillung\/","title":{"rendered":"Sturmstillung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Pred<\/em><\/strong><em><strong>igt zu Mk 4,35-41 und 2 Kor 5,14-17<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n<p><strong>Liebe Mitchristen<\/strong> Wann wehte Ihnen zuletzt der Wind ins Gesicht?<\/p>\n\n\n<p>War es bei einem Spaziergang, beim Radfahren und dann eher ein l\u00e4stiger Widerstand oder war es in diesen noch nicht so sommerlichen Tagen bei einem heftigen Schauer?<\/p>\n\n\n<p>Es gibt ja den sprichw\u00f6rtlichen Gegenwind. Dieses Sprachbild passt auch auf die Kirchen- und Gemeindesituation heute. Der Kirche bl\u00e4st der Wind des Zeitgeistes ins Gesicht -- so wird dies in etwas blumiger Form ausgedr\u00fcckt. Wer so denkt, bezieht sich auf sehr unterschiedliche Beobachtungen:<\/p>\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Da kommen immer weniger Menschen in die sonnt\u00e4glichen Gottesdienste der Gemeinde<\/li>\n\n\n\n<li>Da finden Jugendliche kaum noch Bezug zur Kirche in unserer Gesellschaft -- Kirche ist in ihrer Sprache uncool<\/li>\n\n\n\n<li>Da entschlie\u00dfen sich immer weniger Menschen, einen Beruf in der Kirche zu suchen, ob als Priester, Ordensleute oder als Laientheologen<\/li>\n\n\n\n<li>Da boomt der Markt der religi\u00f6sen M\u00f6glichkeiten sp\u00fcrbar, aber dies geht an der institutionellen Kirche vorbei.<\/li>\n\n\n\n<li>Da besch\u00e4ftigt sich die Kirche sehr mit internen Fragen, die Menschen au\u00dferhalb der Kirche kaum interessieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Da \u00e4ndert sich Liebgewordenes, ja f\u00fcr viele Gemeindeglieder ist fast ein Chaos ausgebrochen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n<p>Die Erfahrung des heutigen Evangeliums mit Sturm, und Auf und Ab in diesem Sturm, ist f\u00fcr viele im Blick auf ihren pers\u00f6nlichen Bezug zu Kirche sehr lebendig und konkret.<\/p>\n\n\n<p>Durch das Meer der Zeit muss Kirche, muss jede Gemeinde ihren Weg finden. Gerade in Krisenzeiten sind St\u00fcrme, steife Brisen, die manche Welle vor sich hertreiben, normal. Wie sich der Sturm auswirkt, hat viel mit der Fahrtrichtung des Schiffes zu tun, konkret also mit inneren Bildern von Kirche und Gemeinde, mit dem Selbstverst\u00e4ndnis des Glaubens und Erfahrungen von Seelsorge.<\/p>\n\n\n<p>Im Evangelium sagt Jesus zu den J\u00fcngern: Wir wollen ans andere Ufer hin\u00fcber fahren. Heute ist man da ja sehr aufmerksam geworden. Wollen wir das wirklich? Was wollen wir eigentlich?<\/p>\n\n\n<p>Manchmal scheint es so, als wollten viele Kirche so auslaufen lassen, dann k\u00f6nnte es dort so bleiben, wie man es gewohnt war. Es wird in der Geschichte nicht erz\u00e4hlt, was die J\u00fcnger denken, als sie die Ansage Jesu h\u00f6ren. Bei anstehenden Ver\u00e4nderungen liegt es ja nahe zu denken, W\u00e4re es nicht viel angenehmer, dass alles so bleibt wie es ist? Aber vielleicht ist angenehm als Kriterium gar nicht so nachhaltig.<\/p>\n\n\n<p>Und manche Entscheidung wird von der Glaubensgemeinschaft vorausgesetzt. Wir wollen \u2026 Die Lesung richtet den Blick auf den Ruf an uns Christen, nicht mehr uns selber zu leben, sondern f\u00fcr Christus, als neue Sch\u00f6pfung. Ein solches Ziel ins Auge fassen, bedeutet auch, sich zu entscheiden. Das muss ja nicht immer angenehm sein, wie z.B. das Bootfahren bei turbulentem Wetter.<\/p>\n\n\n<p>Es gilt, ans andere Ufer zu gelangen und davon gibt es 2 sehr unterschiedliche Vorstellung in unserer Kirche. Zum einen k\u00f6nnte damit die Versorgung der Gl\u00e4ubigen durch Hauptamtliche, Priester, Klerus oder wie immer diese Elitegruppe genannt wird, gemeint sein. Dieses Richtung hat die Fahrt der Kirche \u00fcber die meiste Zeit des vorigen Jahrtausends bestimmt.<\/p>\n\n\n<p>Oder es ist die Ausrichtung auf die mitsorgende Gemeinde, eine Vorstellung, die die Dokumente des Aufbruchs im Vat II anregen. Dieses Ziel wei\u00df sich Vorstellungen der Urkirche verpflichtet.<\/p>\n\n\n<p>Fr\u00fcher war ich regelm\u00e4\u00dfig segeln. Etwas aus dieser Zeit f\u00e4llt mir in diesem Zusammenhang ein. Eine B\u00f6e, also ein Windsto\u00df, ist f\u00fcr ein stehendes Boot sehr unangenehm. Es kann sogar kentern. Daher ist es wichtig, mit dem Boot Fahrt aufzunehmen. Ein Buch mit dem Titel ,Auslaufmodell Kirche' bringt beides in einem Sprachspiel zusammen. Manches in unserer Erfahrung von Kirche l\u00e4uft aus, ist nicht mehr so pr\u00e4gend. Kirche, als Gemeinschaft von Glaubenden, muss im Bild des Bootes gedacht, auslaufen, Fahrt aufnehmen. Dazu braucht es eine Richtung, in die das Boot gesteuert wird. Das \u00e4ngstliche Verhalten der J\u00fcnger im Evangelium zeigt eine Sackgasse, denn Jesus tadelt sie. Sie rufen Gott an und unterstellen, das Leben w\u00e4re in den Augen Gottes nichts wert. Die J\u00fcnger k\u00f6nnen als Fischer ja mit einem Boot umgehen. Sie d\u00fcrfen und sollen vielleicht auch zu Gott schreien. Nur sollen sie dies nicht tun, ohne ihre F\u00e4higkeiten einzusetzen. Und da hat das Evangelium einen wichtigen Fingerzeig. Erinnern sich die J\u00fcnger noch an den Anfang ihrer Fahrt? <em>Wir wollen ans andere Ufer<\/em>, die Richtung muss bewusst sein.<\/p>\n\n\n<p>Gerade beim Segeln, wenn der Wind st\u00e4rker wird, ist es besonders wichtig, das Steuer fest in der Hand zu haben. Wenn der Steuermann n\u00e4mlich das Steuer losl\u00e4sst, dann dreht das Boot sich im Wind, das Segel schl\u00e4gt von einer Seite auf die andere, und es kann schnell lebensgef\u00e4hrlich werden. Denn wenn einer im Boot von der Halterung des Segels -- man nennt dies den Baum -- erwischt wird, kann er oder sie ko-geschlagen ins Wasser fallen.<\/p>\n\n\n<p>Und dann noch etwas: solange es keinen Wind gibt, macht das Segeln keinen Spa\u00df. Es gibt sogar viele, die erst bei Starkwind sich aufs Wasser begeben. Segeln im Gegenwind ist etwas Tolles. Das Boot nimmt Fahrt auf. Alle sp\u00fcren viel Kraft und Energie. Kann ein solches Bild nicht auch etwas sein f\u00fcr das eigene Leben, f\u00fcr das Gemeindeleben?<\/p>\n\n\n<p>Die Impulse des Vat II, u.a. das Ziel eine selbstsorgende Gemeinde zu erm\u00f6glichen, haben mich Pfarrer werden lassen und so ist es f\u00fcr mich eine inspirierende Vorstellung: Die Gemeinde wie die Kirche als Boot, das aus dem Hafen ausl\u00e4uft, sich auf dem Weg ans andere Ufer macht. Da ist viel in Bewegung, manche Brise frischt auf, und die Gefahr, sich treiben zu lassen. Der Glaube an Jesus Christus h\u00e4lt das Boot auf Kurs. Die St\u00fcrme der Zeit werden was bewegen, und wir werden das andere Ufer erreichen. Dies zeigen uns viele Erfahrungen der Kirche, insbesondere aus den Konzilien. Diese Zuversicht hat das Evangelium des letzten Sonntags bestimmt, das davon wusste, dass von selbst, automatisch, das Reich Gottes w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n<p>Sie werden ja wissen, dass ich einige Jahre als Systemingenieur gearbeitet habe. Um die Bedeutung dieses Satzes von Jesus <em>Wir wollen ans andere Ufer hin\u00fcberfahren<\/em> besser zu verstehen, finde ich Einsichten des Systemdenkens hilfreich:<\/p>\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>worauf du in deinem Leben achtest, das bekommt Gewicht<\/li>\n\n\n\n<li>was du in dir wiederholst, das verst\u00e4rkst du in dir<\/li>\n\n\n\n<li>in welche Richtung du schaust, dorthin f\u00fchrt dein Weg<\/li>\n<\/ul>\n\n\n<p>Wir wollen - das braucht immer neu die Vergewisserung zu dem, was uns wirklich wichtig ist, worauf es sich lohnt, zu achten, was Gewicht bekommen soll. Dies muss nicht nur einmal geschehen, sondern immer wieder, damit es stark wird. Das werden Sie als Gemeinde am Ort wissen und immer neu auch bewusst als Zielrichtung in den Blick nehmen m\u00fcssen, sonst l\u00e4uft das eigene Gemeindeleben irgendwann aus, ist nicht mehr da. Um in dieses gemeinsame Wollen hineinzufinden, ist eine pers\u00f6nliche Entscheidung n\u00f6tig, damit das Ziel auch erreicht wird.<\/p>\n\n\n<p>Deshalb wird es Sie nicht \u00fcberraschen, dass ich ein neues geistliches Lied in diesem Zusammenhang sehr attraktiv finde. Da hei\u00dft es in der 3. Strophe:<\/p>\n\n\n<p>3. Wenn der Geist sich regt, ein Sturm aufzieht, in die Segel bl\u00e4st,<br>rei\u00dft alles mit, springt ins Boot und helft dem Steuermann, dass mit<br>voller Kraft es vorw\u00e4rts gehen kann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Mk 4,35-41 und 2 Kor 5,14-17 Liebe Mitchristen Wann wehte Ihnen zuletzt der Wind ins Gesicht? 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