3.Fastensonntag-LesejahrA

Biblische Lesungen

  • Lesung Ex 17,3-7
  • Evangelium Joh 4,5-15.19b-26.391.40-42 (Kurzfassung)

Einführung

Leere Hände zeigen eine wichtige Haltung für uns Menschen auf, gerade wenn es um eine eigene Freiheit geht, etwas, was immer wieder bedroht ist.

Ein Buch zum Umgang mit den digitalen Seiten unserer Welt hat mich vor einiger Zeit neu auf die Bedeutung einer Fastenzeit hingewiesen. Der Autor Cal Newport beobachtet gerade bei der Nutzung kommerzieller digitaler Plattformen, wie viele Menschen sich in großer Abhängigkeit befinden und es Zeit braucht, aus dem Teufelskreis dieser Abhängigkeit herauszukommen. Er empfiehlt dazu eine Zeit der Medienabstinenz, also des Fastens.

Am 3. Fastensonntag, also nach 2 Wochen dieser besonderen Zeit, lohnt sich wahrzunehmen: Haben Sie sich für die Vorbereitung auf Ostern etwas vorgenommen? Was hilft Ihnen von der Oberfläche wegzukommen, in die eignen Tiefen, zu den großen Sehnsüchte des Lebens? Heute hören wir im Evangelium von einem Weg in die eigene Tiefe. Unser aktuelles Mühen in dieser Fastenzeit dürfen wir nun dem Erbarmen Gottes anvertrauen.

Liebe Mitchristen

Wie ging es Ihnen, als Sie den Beginn der ersten Lesung hörten? Da heißt es, das Volk murrte gegen Mose. Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen, so wie Mose, erleben das sicher öfter. Heute war Landtagswahl und unterschiedlich Politiker könnten von diesem Murren viel berichten. Es gibt, angefeuert von manchen sozialen Medien und Internetportalen, eine Stimmung von Empörung, gegen die da oben. Ihnen werden keine guten Motive unterstellt so wie in der Lesung Mose vorgeworfen wird, dass er Menschen in den Tod führen will.

Massa und Meriba – Probe und Streit, als Grundversuchung der Menschen, gibt es in allen Zeiten. Dann vergessen Gläubige was in Gottes Namen als Wesenzug offenbart ist: Ich bin da. Sie hören auf mit dieser uns übersteigenden Wirklichkeit in Verbindung zu bleiben, erlauben es sich, Gott aus den Augen, dem Sinn zu verlieren. Sie sind bereit, den eigenen Glauben sogar gewisser Weise abzulegen. Dann reiben sie sich nur noch an den Politikern, der Kirchenoberen, den… und murren.

Um mich gegen die Versuchung des Murrens und Klagens zu stemmen, hilft mir die Erfahrung: Gott öffnet immer wieder Türen, sein Wesen mehr zu ahnen, zu spüren, ER will meinem Leben nahe sein. Auf der Seite der Diözese gibt es unter der Rubrik ,Fastenzeit‘ in diesem Jahr Anregungen sich mit seinem Glauben zu beschäftigen, um manches – wie es die Jahreslosung anregt, von Gott her Neu werden zu lassen.

Das ist eine der viele Einladungen, zusammen mit anderen diese Vorbereitungszeit auf Ostern zu nutzen. Oft geht es darum, im eigenen Alltag einen Raum für Gottes Gegenwart bewusst zu öffnen, sich dafür einzuschränken. Unter der Überschrift Klimafasten schaut z.B. ein ökumenisches Netzwerk aus 25 Partnerorganisationen und -kirchen auf Suffizienz, also die Frage was brauchen wir zu einem guten Leben. Oder ein ökumenisch-getragenen Verein in Thüringen motiviert zum Autofasten. Solche Aktionen thematisieren Auswirkungen unseres Lebensstils auf das Klima oder unser Miteinander. Haben Sie in diesen Wochen schon Erfahrungen mit einer bewussten Gestaltung dieser Vorbereitungszeit machen können? Die gewählten Einschränkungen können ja sehr unterschiedlich ausfallen. Das bringt in kreativer Weise die Fastenaktion der evangelischen Kirche jedes Jahr ins Wort. Diesmal lautet die Aktion Mit Gefühl! 7 Woche ohne Härte.

Oft ist es schwer, etwas zu verändern – Darauf setzen ja die sozialen Medien, die Menschen gezielt empörungssüchtig machen damit sie länger online bleiben. Was kann uns auf diesem Hintergrund das Wort Gottes sagen? Diese Begegnungsgeschichte erzählt von einer großen Veränderungdynamik und spielt an einem Brunnen. Brunnen hatten lange Zeit existenzielle Bedeutung. Heute, in unserer technisierten Welt, kommt für viele das Wasser aus dem Hahn. Da ist der Brunnen, die Quelle, aus der Menschen und andere Lebewesen ihren Durst stillen, nicht mehr so gegenwärtig. Wir spüren die Bedeutung des Brunnens eher, wenn wir eine Burg oder eine Festungsanlage besuchen. An einem solchen Brunnen, dem Jakobsbrunnen begegnet Jesus einer Frau und spricht sie an. Es ist mehr als ein Gruß, ein Hallo oder Grüß Gott. Diese Ansprache war gegen die damalige Konvention, hat die Frau überrascht. Der Hass, den wir heute zwischen Israelis und Palästinensern beobachten, war damals zwischen Juden und Samaritern. Man redete nicht miteinander. Jesus redet nicht nur mit der Frau, er stellt sich gewisser Maßen unter sie. Er macht ihr deutlich, ich brauche dich, gib mir zu trinken.

Er vermittelt ihr: Du kannst, du darfst mir das Wasser reichen…. Ermutigt steigt die Frau in ein Gespräch über das Wasser ein. Sie meint das selbstgeschöpfte Wasser im Brunnen. Er spricht vom Wasser, das aus Gottes Lebensquelle sprudelt. Er lädt ein, den Lebensdurst in seiner Nähe zu stillen. Es ist eine Nähe die Ruhe schenkt und Frieden. Die Frau braucht etwas Zeit. Sie kommt dann zum Glauben und bringt andere zum Glauben. Der Durst nach den Menschen hat Jesus ja, wenn man dieses Bild nutzen will, Mensch werden lassen. Diesen Durst hat die Frau aufgenommen. Sie hat dabei auch erfahren, dass der Glaube, das Wasser, das sie von Jesus empfangen hat, in ihr für andere weitersprudelte.

Das Gespräch bekam schnell eine große Tiefe mit Fragen, die auch uns berühren. Fragen des Betens, der Sehnsucht. Wie und wo soll man Gott anbeten? So ging es der Frau damals — und heute?

Jesu Vorbild, andere einzubinden, zu fragen, herauszulocken, dieses Vorbild zieht bis heute Kreise. Wer sich so selbstwirksam erfährt ist auch weniger gefährdet zu murren, sich zu empören, lernt, Teil einer Lösung zu werden, die Gutes in die Welt bringt, sich mit Gott, der Quelle des Guten, verbunden weiß. Dabei kann die Ausrichtung der Fastenaktion Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte helfen mehr in ein Miteinander zu finden mit Menschen und mit Gott.

Leider bekommen zu oft zu viele Menschen Rückmeldungen, die sie verzagen lassen, die viel Härte, wenig Gefühl transportieren. Kann man vergessen, braucht man nicht, überflüssig – gerade in digitalen Welten, wo man anonym auftritt, ist der Umgangston oft sehr rauh. Das zeigt sich dann auch in weiteren Bereichen, dem Arbeitsplatz, dem Straßenverkehr, der Schule – Sie können diese Liste sicher schnell verlängern. Menschen landen dann bei der vermeintlichen Einsicht, ich bin nicht ok, mit mir kann keiner etwas anfangen$\ldots$ Diese Einsicht entspricht nicht dem Blick Gottes.

Das schwingt übrigens auch zwischen den Zeilen in der heutigen Geschichte. Die 6. Stunde ist die Zeit der Mittagshitze, in der man nicht zum Brunnen geht. Vermutlich hatte die Frau ihre Gründe, weshalb sie zu dieser Zeit zum Brunnen ging, um Kontakte mit anderen zu vermeiden. Jesus findet etwas an ihr, was er bestärkt und fördert. In Gottes Augen wird jeder Mensch gebraucht, ist für etwas wichtig.

Dies versöhnt mich auch mit dem aktuellen Umbruch in unserer Kirche. Vieles bliebe sonst in den Händen der Hauptberuflichen und die Kirche wäre ärmer in meinen Augen. Wir wären uns nicht unseres Reichtums bewußt: das Wasser der Taufe fließt in allen Christen, in Männern und Frauen. Und mehr Menschen erleben, wie in ihnen diese Quelle sprudelt, wie sie so etwas in die Welt bringen können, dass sie selbst nährt, im Evangelium heißt es dass sie keinen Durst mehr haben.

Wer so über die Bibelstellen des Sonntags nachdenkt, kann auch die Kirche, das Volk Gottes heute in der ersten Lesung wiedererkennen. Da ist ein Murren und ein Klagen. Der Aufbruch in die Freiheit der Kinder Gottes mit dem Vat II und die Sehnsucht nach lebendiger Nähe zu Gott verblassen, sind oft nicht mehr so präsent. Ein befreundeter Priester, Konzilstheologe, bei dem ich meine Studien zu einem größeren Teil gemacht habe, sagte, wir wollten nie im Leben diese Form von Kirche weiterführen, die Kleriker und Gläubige, Männer und Frauen so trennte. Die Wüstenwanderung ist nicht angenehm, Ägypten, das Versorgt sein mit manchem, auch wenn es als Preis die Freiheit gekostet hatte, bleibt attraktiv. In dieser Spannung lebt es sich als Volk Gottes auf dem Weg.

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