Epiphanie 26

Bibelstelle Mt 2,1-12

Liebe Mitchristen

Die Erzählungen der Kindheit Jesu ermöglichen, sich zu vergewissern, wer Jesus Christus ist.

Es gibt 2 unterschiedliche Perspektiven. Am Fest der Erscheinung des Herrn hören wir die des Matthäusevangeliums. Dieser vertrauter Text ist durch die Sternsingeraktion bei uns auch sehr lebendig gegenwärtig. Wir können dieses Kapitel von Matthäus als komprimiertes Evangelium und als Bild für die eigene Lebensreise anschauen. 4 Abschnitte fallen auf

  • Die Suche nach dem neugeborenen König

  • Die Begegnung mit ihm

  • Die nächste Etappe der Lebensreise

  • Die Reaktion der Mächtigen auf das Kommen dieses Neuem in die Welt

Diese Erzählung kann so Teil der eigenen Geschichte werden. Wo erleben Sie sich in diesem Bibelwort heute gegen Ende der Weihnachtszeit? Also, wenn Sie sich zu den Sterndeutern, im Volksmund 3 Könige genannt und oft auch als Weise bezeichnet, gesellen, passt für Sie eher

  • die Anreise, also die Suche oder

  • die Begegnung mit dem göttlichen Kind

  • die ersten Schritte auf einem anderen Weg, heim

Das Kommen Jesu, wie unscheinbar auch die Geburt eines Kindes sein mag, hat Auswirkungen auf die ganze Schöpfung. Matthäus erzählt von einem Stern, der auf Jesu Kommen hinweist, Menschen ermutigt, aufzubrechen und sich diesem Neuen zu öffnen.

Das bestehende System ist erschrocken, es fühlt sich durch das Neue bedroht und möchte den Status quo sichern. Es schreckt nicht davor zurück, zu lügen, als wolle es sich auch dem Neuen öffnen. Herodes und in seinem Hintergrund die Herrschaft der Römer bedeutet für das Volk Gottes Unterdrückung und Gewalt.

Gerade wenn wir uns in unserer Zeit umschauen, dann merken wir Parallelen. Auch heute gibt es Mächtige, die fromme Reden schwingen und deren Tun dem nicht entspricht. Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland ist also bleibend aktuell.

Wer auf die Sterndeuter blickt, kann wahrnehmen, der Tipp der Schriftgelehrten weist zwar grob die Richtung. Das Kind finden sie durch den Stern, ihren Bezug zur Schöpfung. Menschen, die auf die Schöpfung achten, meditieren, kontemplativ leben, den Frieden suchen, sind nicht Teil des Herrschaftssystems der Mächtigen.

Matthäus macht mit seiner Erzählung deutlich, Gott ist nicht im Zentrum der Macht dieser Welt zu finden. Er kommt am Rande, bei denen zur Welt, die oft Opfer sind und machtlos. Er ist selbst, so Papst Leo in seinem Wort zum Weltfriedenstag, durch seine gewaltfreie Präsenz für die Jünger verstörend. Die Güte ist entwaffnend. Vielleicht ist Gott deshalb Kind geworden – sagte der Papst weiter.

Wer so auf diese Erzählung schaut, kann sich fragen:

  • Wie und wo suche ich selber Gottes Nähe?

  • Wie hilft mir die Schöpfung dabei?

  • Gibt es bei dieser Suche auch Irritationen bei Mächtigen, die diese andere Ausrichtung so stört?

Dieser erste Abschnitt wird sich immer wieder in unserem Leben zeigen, d.h. oft werden wir uns auf der Suche nach Gottes Nähe erleben, denn, das feiern wir ja gleich in der Eucharistiefeier, Gottes Gegenwart ist etwas, das können wir am Besten als Vorübergang beschreiben, als Passiah – es ist etwas, das uns verwandelt – wir können diese Verwandlung ähnlich erleben, wie die Sterndeuter, also als intensive Freude und Einladung zum Geben, Schenken. Auch hier ein Kontrast zum Lebensentwurf der Mächtigen, die ja von anderen nehmen wollen.

Um sich im 2. Abschnitt wiederzufinden, können vielleicht folgende Fragen helfen:

  • in welchen Begegnungen mit Menschen am Rand der Gesellschaft habe ich überraschende Freude erfahren?

  • hat mir ein Achten auf die Schöpfung – so wie der Stern in dieser Erzählung – schon mal Orientierung geschenkt?

  • welche Gaben habe ich schon mal im Leben geschenkt und dann großer Freude gespürt?

Der 3. Abschnitt ist zwar kurz, aber hat es in sich. Die Sterndeuter ziehen auf einem anderen Weg heim, können auf eine Weisung im Traum achten. Sind also nicht mehr den Mächtigen gehorsam. Das ist eine Ausrichtung, gleich zu Anfang des Matthäusevangeliums, welche in unseren Tagen an Aktualität leider dazugewonnen hat. Es gibt Versuche von Mächtigen auch bei uns, Entwicklungen anzustoßen, die mit dem, was wir von Gottes Willen, um den wir ja immer wieder im Vater unser beten, erahnen, nicht vereinbar sind. Und es ist für viele schwer, sich den Vorgaben der Autorität, dem offiziellen Recht, den Befehlen zu entziehen, dem eigenen Gewissen zu folgen. Matthäus nutzt dazu das Bild der Weisungen im Traum. Mich hatte in der Schule, dass ist ja schon über 50 Jahre her, schon irritiert, wie Versuche zeigen, viele Menschen sind bereit, die eigene Verantwortung für böse Aktionen an andere abzugeben, Befehle auszuführen, die Leben zerstören.

Dies ist ja auch gewisser Maßen der letzte Teil dieser Erzählung. Herodes merkt, dass sein Plan nicht aufgeht und er lässt alle Jungen, die 2 Jahre und jünger waren, umbringen. Die Soldaten – das gilt es immer wieder zu bedenken – sind Menschen, oft wie wir, d.h. es ist für viele richtig schwer, sich für den Ruf des eigenen Gewissens zu entscheiden, gerade wenn es gegen das geht, was offiziell Recht ist und mir befohlen wird.

Helfen kann da natürlich auch, wie es auch an anderen Stellen im Evangelium erzählt wird, wenn man nicht allein unterwegs ist – nicht umsonst heißt es die Sterndeuter, denken wir da an eine kleine Gruppe von 3 Personen, die Heiligen 3 Könige.

Und noch etwas – die Sterndeuter zogen auf einem anderen Weg heim – sie wichen dem direkten Konflikt aus, so wie auch die Hl. Familie der Gewalt aus dem Weg ging. Es lohnt sich darüber nachzudenken, wie es möglich ist, sich zu entziehen, ohne der Gewalt Angriffsflächen zu bieten und so gewaltfrei zu antworten, in der Nachfolge Jesu, der wie unser Papst ja sagte, mit seiner gewaltfreien Antwort oft auch verstört hat, Konflikte durchkreuzt und so Neues ermöglicht.

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