19.Sonntag-LesejahrA

Biblische Lesungen:

1. Lesung 1 Kön 19, 9a.11-13a

Antwort-Psalm 85

2. Lesung Röm 9, 1-5

Evangelium: Mt 13,44-52

Einleitung:

Meine engen Grenzen bringe ich vor Dich, haben wir gerade gesungen.(GL 437) An was haben Sie dabei gedacht? Welche Ängstlichkeit möchte uns und unser Verhalten bestimmen, soll verwandelt werden in Vertrauen und Wärme? Diese Frage steckt ein wenig hinter den Impulsen des heutigen Sonntags.

Und zu Beginn unseres Gottesdienstes kann jeder und jede von uns sich fragen, was tue ich, wenn ich merke, dass in mir Angst stärker wird, aufsteigt, meine Lebensäußerung bestimmt?

Wie finde ich aus der Enge meines Lebens in die Weite, in die Weite unseres Gottes und seiner Liebe?

Predigt: Liebe Mitchristen

In den Worten der Bibel heute begegnen uns gleich mehrere Bilder für das, was Menschen Angst macht: Feuer, Sturm, Erdbeben, Nacht, Wasser, Wellen, Wind…

Angst ist wichtig zum Überleben. Ohne Angst kann man Gefahren nicht angemessen einschätzen. So gibt es ja auch das Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen. Angst kann sich aber auch verselbständigen und so das Leben einschränken.

Der heutige Abschnitt aus der Elijageschichte ist für mich eine ganz wichtige Stelle der Heiligen Schrift. Elija muss etwas lernen, was Menschen erst im Laufe ihres Lebens lernen können und manche vielleicht auch nie erfassen. Dazu nun ein Blick in das Umfeld dieser Erzählung. Den Propheten Elija habe ich immer gerne im Religionsunterricht mit den Schülerinnen und Schülern erkundet. Elijas Name bedeutet Eli (mein Gott) ja (Jahwe). Sein Name ist also ein ganz knappes Glaubensbekenntnis zum Gott, der da ist, der Mose am Dornbusch erschienen ist, Israel aus Ägypten herausgeführt hat. Es ist ein Gott, der auf der Seite der Schwachen steht, ihnen hilft, zu bestehen, gegen die Starken. Der aber nicht die Schwachen stark macht, damit sie als die neuen Starken die alten Starken beherrschen und niedermachen.

Denn das ist auch immer wieder die Gefahr. Eine Gefahr, der Elija erlegen ist. Im Opferwettstreit mit über 400 anderen Propheten, alles Anhänger von Göttern, die sich von Jahwe unterschieden, konnte er gewinnen. Mit einem machtvollen Gottesurteil hat er, so berichtet die Buch der Könige, das Programm seines Namens bestätigt und das Volk dazu geführt, auch auf Jahwe zu bauen, den einen Gott nun zu verehren.

Im Überschwang des Sieges hat er seine Macht dazu genutzt, die Gegner zu massakrieren, hat die feindlichen Propheten umbringen lassen. Das rächte sich. Die Racheschwüre der Königin trieben ihn in die Wüste und er kam bis zum Berg Horeb. Unterwegs wollte er schon sterben, im Selbstmitleid versunken, aber Gott, der ein Gott des Lebens ist, hat ihn bewahrt.

Nun ist er am Berg Horeb, nach einem Marsch von vierzig Tagen und vierzig Nächten durch die Wüste. Er ist müde, will schlafen und kann es nicht, das Wort Gottes ruft ihn heraus. In dieser Verfassung begegnet ihm Gott nicht im machtvollen Naturgeschehen, wie beim Gottesurteil, sondern im Säuseln. Eine andere Übersetzung sagt, im verschwebenden Schweigen und auf seine Klage, die er vorbringt (dies ist nach dem heutigen Lesungsabschnitt erzählt) hört er eine Antwort, die die Not wendet, aber auch anders ist, als er es vielleicht erhofft hat.

Eine neue Sicht auf die Wirklichkeit zu bekommen, gerade auch die des Glaubens und Schwäche im eigenen Lebens annehmen zu lernen, dies können wir am biblischen Lebensbeispiel des Elija beobachten und uns vielleicht mit ihm identifizieren. Es lohnt sich also, das Umfeld der heutigen Lesung im Alten Testament mal anzuschauen.

So kommen wir Petrus und den Jüngern mehr auf die Spur und dem, was der Evangelist uns mit dieser Nachtgeschichte nahebringen will. Wasser, Nacht und ein den See aufwühlender Wind sind hier mehr als die Begleitumstände unter denen Jesus sich seinen Jüngern zu erkennen gibt. Sie sind Symbole für das, was Menschen zu schaffen macht. Unverhofft begegnet Jesus den Jüngern. Zuerst halten sie ihn für ein Gespenst. Doch auch als sie ihren Lehrmeister erkennen, ist ihnen noch unheimlich zumute. Erst als er im Boot ist, wird es ruhig.

Fragen an diese Bibelworte wie:

  • Ist diese Geschichte wirklich so passiert?
  • Was ist damals wirklich geschehen?
  • Ist sie wahr?

liegen nahe und können aber verhindern, in der Geschichte den eigenen Platz zu suchen. Wer sich in diesen Worten finden kann, hat andere Möglichkeiten mit der eigenen Angst umzugehen, sich herausrufen zu lassen aus manchem Strudel der Gedanken, die in Tagen größerer Ruhe vielleicht stärker auftauchen, als Zeichen einer Suche nach Sinn und Halt für das eigene Leben.

Petrus und sein Gang auf dem Wasser weist auf eine Seite und Möglichkeit des Lebens, die sich auch im Leben des Elija zeigte. Je nach Blickrichtung und Ausrichtung ist Menschen manches möglich, was anderen unmöglich erscheint, so war für Elija im Opferwettstreit übernatürliches Wirken möglich. Das Gehen auf dem Wasser, das Wirken von Wundern allgemein gesprochen ist etwas, was sehr verunsichert, wenn es denn Menschen ereilt, als Erfahrung der Gegenwart des ganz anderen Gottes. Trotzdem ist es attraktiv, anziehend, etwas, was fasziniert. Dies gilt gerade auch für glaubende Menschen. Elija, Petrus und viele nach ihnen haben sich auf den Ruf Gottes eingelassen, der Grenzen überwindet, der Wunder wirkt. Ein solcher Schritt auf das Wasser braucht den andauernden Bezug zu dem, der Halt schenkt, zu dem, der sich letztlich eben nicht nur im Spektakulären offenbart, sondern in der Stille, im Frieden, in der Zuwendung im Alltag. Dabei wird es fast zwangsläufig zur Erfahrung des Petrus kommen. Das Evangelium sagt, er sah, wie heftig der Wind war, er schaut also nicht mehr nur auf Christus, hat ein Auge für mehr, merkt, die Gesetze der Welt, der normalen Wirklichkeit nehmen ihn in den Griff. Und er stürzt ab, würden wir heute sagen.

An Petrus, gerade nach seinem Absturz, und auch an Elija können wir erleben, Gott bleibt seinem Namen treu, er bleibt, der er ist, Jahwe, der Gott auf der Seite der Schwachen. Elija klagt Gott, der ihm begegnet, sein Leid, dass er mit Leidenschaft für Gott eingetreten ist, und nun merkt, Menschen trachten ihm nach dem Leben. Gott geht auf ihn ein, Elija bekommt den Auftrag andere in die Nachfolge zu rufen, darf spüren, er ist nicht allein in seinem Einsatz, er ist aber auch nicht unersetzlich.

Immer wieder gibt es die Versuchung, wenn der Gegenwind stark ist, die Veränderung zu groß erscheint, sich ganz alleine vorzukommen, das Selbstmitleid groß werden zu lassen, Gottes lebensspendende Kraft nicht mehr im Blick zu haben. Fürchtet Euch nicht, so hören immer wieder die Menschen, die sich in Gottes Nähe aus der eigenen Enge und Angst rufen lassen.

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