AufnahmeMariensInDenHimmel

Biblische Lesungen:

1. Lesung Offb 11,19a; 12,1–6a.10ab

Antwort-Psalm 45

2. Lesung 1 Kor 15,20–27a

Evangelium: Lk 1,39–56

Einleitung:

Im Zentrum des heutigen Gottesdienst wird das Loblied stehen. Wir sind hier, um Gott zu loben und werden dabei vom Moriz-Terzett inspiriert, die diesen Festgottesdienst mitgestalten. Unser Lied zu Beginn (GL 522) hat das Festgeheimnis des heutigen Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel besungen.

Heute preisen wir Gott, im Glauben, dass er Maria, die Mutter seines Sohnes, nicht im Tod gelassen hat und hoffen, dass er auch uns nicht im Tod lassen wird. Wir beten nachher im Hochgebet des Gottesdienstes: Deinen Tod o Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit. Was meint Glaube an die Auferstehung, an das Leben nach dem Tod, für jeden und jede von uns? Das heutige Fest möchte uns dieses Glaubensgeheimnis näher bringen.

Umgangssprachlich heißt das Fest Maria Himmelfahrt. Die Festbezeichnung könnte dazu verleiten, Maria und Christus sehr ähnlich zu sehen. In der Lesung wird der Apostel Paulus den Vorrang Christi bekennen. Rufen wir mit ihm Christus zu, dem Erstgeborenen der Toten, der durch seine Auferstehung den Weg zum Vater geebnet hat, uns heimrufen wird ins ewige Licht der Liebe Gottes.

Predigt: Liebe Mitchristen

Wir haben gerade eine Frauengeschichte gehört. Die positive Resonanz dieser gelungenen Begegnung lässt ein Lied entstehen. Viele von uns haben es schon oft gebetet.

Diese gelingende Begegnung passt zum heutigen Fest. Zur Festbezeichnung habe ich am Anfang unseres Gottesdienstes schon etwas gesagt. Manche Frömmigkeitsgruppe möchte Maria als Miterlöserin ansehen, was dann bei anderen größere Irritationen auslöst. Maria gerät oft in eine Distanz zum Rest der Menschheit. Die Glaubensvergewisserung des 2. Vatikanischen Konzils sieht Maria, diese besondere Frau, als ein Vorbild für uns in vielem, eine Schwester des Glaubens, eine von uns, Urbild von Kirche. An ihr wird deutlich, wie es uns gehen kann, gehen soll.

Bilder von Maria gibt es als Kunstwerke. Sie haben uns etwas zu sagen. Maria wird meist dargestellt, wie sie dem Betrachter ihr Kind hinhält. Maria zeigt uns, gibt uns Jesus, den Sohn Gottes. Es lohnt sich, damit ins Gespräch zu kommen. Sie ist eine Christusträgerin, aber nicht die einzige. Statuen in den Kirchen erinnern an weitere Christusträger wie den Hl. Antonius oder Christophorus. In manchen Kirchen ist auch der Heilige Josef so dargestellt.

Ausgangspunkt für Maria war ihr Ja zu Gottes Willen, Gottes Plan. Daran erinnert das Angelusgebet, der Engel des Herrn, täglich. Mit diesem Ja schwimmt Maria gegen den Strom der heutigen Zeit, eine Zeit, die mehr auf Haben, auf Selbstbestimmung setzt. Hier können wir von Maria und ihrer Offenheit, ihrer Bereitschaft lernen. Empfangen und Geben Grundelemente eines Lebens mit Gott, der sich verschenkt, damit wir leben können.

Das ist nicht nur spirituell zu verstehen. Der Kern des heutigen Festes, die Aufnahme Mariens in den Himmel lädt ein, ganzheitlich, mit Leib und Seele vor Gott zu sein, sich in diese Bewegung des Empfangens und Gebens einzulassen. Maria ist ganz bei Gott nicht nur teilweise. So macht uns dieses Festgeheimnis Mut, dass sich der Einsatz eines Lebens für andere, für den Willen Gottes, lohnt.

Ihr Ringen zu diesem Ja wird für Maria im heutigen Evangelium durch die beglückende Begegnung mit Elisabeth bestärkt. Maria wird von einer tiefen Freude erfasst. Auch wenn es hieß, da sagte Maria, denken wir doch, dass sie sang, aufjauchzte. Gewagter gesagt, dass es sie sang. Singen ist ganzheitlich eine Erfahrung von Leib und Seele. Diese Wahrnehmung im Singen hat Menschen dazu gebracht, Gott als Lied zu beschreiben. Die Psalmen, die Gebete und Lieder des Volkes Gottes, nutzen als Sprachbild öfter: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr. Es ist ein Bild von Gotteserfahrung, das auch uns bei der jeweils eigene Suche nach Gott begleiten kann. Es hat verschiedenen Seiten:

Das Lied Gottes gilt es zunächst zu hören.

Viele Menschen haben schon mal einen Klang wahrgenommen,\
der etwas ganz tief im Innern anrühren konnte.\
Was für ein Lied war es?\

  • War es ein Heimatlied auf der Suche nach Geborgenheit?\
  • War es ein Wanderlied auf dem Weg durchs Leben?\
  • War es ein Protestsong im Widerstreit mit Unrecht?\

Wie zeigt sich die Resonanz mit Gott im eigenen Leben?

Dieses Lied Gottes darf ich dann selber singen.

Das Hören lädt ein zum Mitsingen. Manchmal braucht es dazu etwas Übung – Stimmbildung gewissermaßen. In jedem Fall gilt es, Resonanz zuzulassen, die eigenen Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen.

  • Welches Lied bestimmt gerade mein Leben?
  • Gibt es einen Rhythmus, der mich zieht?

Es wird nicht für alle identisch sein. Gott ist nicht uniform, sondern vielfältig, harmonisch, überraschend anders.

Es braucht Menschen, die einen Chorklang ermöglichen.

Sie leiten an, das Gehör zu üben, die Stimme zu bilden und sie helfen, im Chor zu singen. Hier sind wichtige Aufgaben innerhalb einer Gemeinde, in der Kirche. Gerade im Chor, in der Gemeinschaft, erklingt das Lied Gottes in besonderer Weise.

Gott als Lied ist ein vielseitiges Bild von Gott. Es führt dazu, das Wort Gottes zu hören und gerade auch als Gemeinschaft von Glaubenden eine Resonanz mit diesem lebendigen Wort zuzulassen. Denn wir glauben daran, dass das Lied Gottes unsere Welt durchtönt und hörbarer in ihr werden will.

In seinem bekannten Gedicht findet dazu Dietrich Bonhoeffer diese Worte: Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Wer sich öffnet und einschwingt auf diesen Klang, der alles durchtönt, wird verletzlich, dünnhäutig. Das ist der Preis, den Maria und viele Heilige in der Nachfolge Christi gezahlt haben. Maria hat die gemeinsame Erfahrung mit Elisabeth bestärkt. Ich glaube diese Seite der Nachfolge ist in unserer Zeit oft nicht so im Blick. Welche vertraute Person kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie so über den eigenen Glauben nachdenken. Weggemeinschaften in einer kleinen Gruppe sind sehr wertvoll.

Nicht umsonst formuliert Bonhoeffer in der Mehrzahl – lass uns hören jenen vollen Klang. Gott als Lied erfüllt alles mit bleibender Freude — wir haben als Menschen die Wahl.

Das heutige Hochfest lädt ein, mitzusingen – und so möchte ich heute mit einem modernen Marienlied abschließen. Schlagen Sie bitte im Gotteslob 887 auf.

Die Strophen lenken unseren Blick zuerst, wie später im Gottesdienst auch die Kräutersegnung auf die Schöpfung – auf dieses Geschenk Gottes, dass uns anvertraut ist. Dann kommt das befreiende Wirken Gottes, der Mächtige vom Thron stößt in den Blick und wir bestärken unseren Glauben an die Auferstehung von den Toten, ein Geschehen, dass wir an Maria glaubend feiern. Singen wir nun mit Maria von Gottes Heil.

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