26.So-LesejahrA

Biblische Lesungen:

Lesung: Phil 2,1-11

Antwort-Psalm 25

Evangelium: Mt 21,28-32 1. Les

Einleitung:

Heute hören wir vom Apostel Paulus Weisungen für alle, die Verantwortung tragen.

Wir bringen unser Leben und damit auch unsere Verantwortungsbereiche mit in diesen Gottesdienst. Wie ging es Ihnen mit den Anforderungen und Möglichkeiten in den vergangenen Tagen?

War der Geist und die Liebe Gottes zu spüren, die uns führen möchten?

Oder nahm manches unsere Aufmerksamkeit so in Beschlag, dass wir dafür nicht offen waren?

Predigt: Liebe Mitchristen

In diesem Herbst schauten wir ja mit Interesse auf einige Wahlen. Eine Wahl zu haben gehört zum Grundverständnis unserer Kultur und Gesellschaft.

Wer die Wahl hat, muss eine Entscheidung treffen. Nicht zu wählen ist dabei auch eine Entscheidung. Sich für etwas zu entscheiden, fällt vielen Menschen schwer, denn es könnte ja sein, dass man noch etwas besseres bekommen könnte. Deshalb vertagt man die Entscheidung oft. Fear of missing out – wird dieses Phänomen genannt. Wer sich nicht entscheiden kann oder will, der muss die Angelegenheit in der Schwebe halten – sagt vielleicht ja und lässt den Rest auf sich zu kommen, so wie der zweite Sohn im Gleichnis, welches Jesus uns heute erzählt hat.

Heute werden viele Menschen zu bestimmten Entscheidungen gestupst, wie man sagt. Sie kennen das im Internet von den Cookie-Dialogen . Wer nichts entscheiden will, entscheidet, alle Cookies zu akzeptieren, also den Schutz der eigenen Privatsphäre nicht wichtig zu nehmen. Dieses Stupsen, auf Englisch Nudging, ist übrigens stark beforscht, dafür gab es 2017 den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaft – da geht es auch um viel Geld und Einfluss.

Im Brief an die Philipper hörten wir etwas zu einer biblischen Grundhaltung, aus der gute Entscheidungen erwachsen. In Demut … entspricht.

Demut ist – so Paulus – eine zentrale Grundhaltung. Wie würden Sie merken, dass diese Haltung in Ihrem Leben Raum hat?

Welche Beispiele von Demut könnten Sie erzählen, um z.B. jugendlichen Firmbewerber*innen diese Haltung zu illustrieren?

Was vermuten Sie, würden Ihnen die Jugendlichen erzählen? Wer zB Demut und Fussball zusammen googled bekommt aktuelle Treffer. Es ist also ein Wort, über das gerade gesprochen wird.

Im Umfeld von Wahlen kann man beobachten, dass Menschen zu Entscheidungen gestupst werden, die einigen Akteuren nützen, den Wählenden sogar im Grunde schaden. Dazu werden Emotionen genutzt, wie Angst vor – da können Sie selber sicher einiges ergänzen. Die Mahnungen der Lesung könnten für unsere Demokratie daher wichtig sein, um gute Entscheidungen zu fördern. Der Begriff Minister kommt vom Wort für Diener – d.h. unsere politische Kultur ist von diesen Mahnungen mit geprägt. Kein Politiker wird, so denke ich, gewählt, weil sein Tun nur von Ehrgeiz und Prahlerei bestimmt ist, oder weil er nur auf sein eigenes Wohl achtet. Wenn auch nicht realistisch, erhoffen sich Menschen von ihrer Wahlentscheidung auch einen Vorteil für sich selbst.

Für ein gelingendes Leben in Gemeinschaft braucht es mehr. Zu allen Zeiten gibt es bei Mächtigen die Versuchung, auf Teilen und Spalten zu setzen, und so die eigene Position zu stärken. So war Jesus mit einer großen Spaltung seines Volkes konfrontiert. Es gab die Frommen und solche, die sich mit den Besatzern, den Römern arrangierten. Und natürlich die Frage, was hilft beim Brückenbauen, einer Überwindung der Spaltung? Vor dem heutigen Evangeliumsabschnitt steht die Tempelreinigung und ein Streitgespräch Jesu mit den Pharisäern und Schriftgelehrten zu seiner Vollmacht, seinem Recht, diese Aktion zu tun.

Brückenbauen ist bis heute wichtig. Die aktuellen Krisen zeigen, wie notwendig eine neue Orientierung ist, in der religiösen Sprache ist das Umkehr. Hier sehe ich ein zentrales Ziel des Evangeliums: Alle sollen hineinfinden in das Lob Gottes, des Vaters. Die Huren und Zöllner haben sich neu orientiert. Sie waren in ihrer Lebensweise beweglich, haben sich mit Unrecht, dass sie betraf auseinander gesetzt, andere nicht. Sie sind nicht der Versuchung zum Opfer gefallen, Ja zu sagen, um die eigene Ruhe zu haben.

Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht. Er entäußerte sich… Wie kann im eigenen Leben, Entäußerung geschehen, Demut sich zeigen und eine Verbundenheit in Liebe? Die anstehenden Veränderungen fordern viele heraus.

Mein Blick auf freiwillig Engagierte in unserer Gesellschaft lässt mich einige entdecken, die sich für ein größeres Ziel einbringen, sich engagieren. Durch mein eigenes Interesse sind da Themen wie Bewahrung der Umwelt, Förderung von Kreativität der Mitmenschen, um aus Konsumfallen herauszufinden, mehr präsent. Bewusster oder nicht so bewusst orientieren sich diese Freiwilligen am Beispiel Jesu, der nicht daran festhielt wie Gott zu sein, sondern den Menschen gleich wurde. Auch wenn sie sich von Kirche und Christentum, wie sie es verstehen, abgrenzen, also im Bild des Evangeliums ,,Nein" sagen – erfüllen sie doch den Willen Gottes, der mit uns Menschen die Erde zum Guten verwandeln möchte.

Dazu ein konkreteres Beispiel: Während meines Umstiegs von meinem Erstberuf in der IT las ich u.a. ein Buch eines bekennenden ,Neuheiden‘ über soziale Mechanismen, die dazu beitragen, dass sich freie Software entwickelt hat, ein Phänomen, welches unsere aktuelle Lebensweise mehr bestimmt, als es vielen bewusst ist. Das Internet oder Android leben von freier Software. Freie Software entsteht meist durch das Engagement Freiwilliger. Dieser Autor weist darauf hin, mit Freiwilligen etwas komplexes zu gestalten, wie eine solche Software, braucht eine Kultur. Und die Kultur, die er in diesem Milieu beobachtet, zeigt mir, die Mahnungen der Lesung heute können gelebt werden. So entsteht eine Kultur des Gebens. Seit damals fasziniert mich das sehr – ein Leiter muss demütig sein – ist eine seiner zentralen Aussagen, die zur heutigen Lesung passt. Denn nur dann folgen dieser Person weitere, und es ist möglich etwas gemeinsam zu gestalten.

Wer z.B. in der Wikipedia diesen Begriff sucht, findet sehr viele Gedanken. Zur Führungskompetenz der Demut, die hilft, erfolgreich ein Unternehmen zu führen heißt es dort Demut (englisch humility) hat, wer eigene Stärken und Schwächen erkennt, andere dafür anerkennt, was sie tun, lernbereit und offen ist und versteht, dass er/sie nur ein kleiner Teil eines größeren Ganzen ist.

Demut, als erlernbare Tugend, lohnt sich für die Mitarbeiter, für das Unternehmen und drittens für die Führungskraft selber. Soweit diese Gedanken aus dem öffentlichen Lexikon.

Abschließen möchte ich mit einem Gedanken, den ich einer Sendung von SWR-Wissen verdanke. In diesem Beitrag ging es auch um Demut, und zwar im Zusammenhang mit Staunen. Wer staunt, dem fällt leichter, Demut zu erfahren, der merkt, er oder sie ist nicht der Mittelpunkt. Staunen zu üben kann also ein Weg sein, zu einer Haltung der Demut zu finden. Anlässe zum Staunen zeigen sich eher, wenn wir achtsam und dankbar das eigenen Leben gestalten. Dabei möchte uns nun auch die Feier der Eucharistie unterstützen.

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