Biblische Lesungen:
1. Lesung Weish 12,13.16-19
Antwort-Psalm 86
2. Lesung Röm 8,26-27
Evangelium: Mt 13,24-43
Einleitung:
In diesen Tagen kommt das vom Schulrhythmus bestimmte Gemeindeleben mehr zur Ruhe. Es sind bald Ferien und dann ist wieder ein Schuljahr vorbei.
Heute ist in den Texten der Schrift von Ernte und von Geduld die Rede.
Zu Beginn lade ich daher ein, mit einem liebevollen Blick auf die letzten Tage zu schauen – was hat da meinen Blick geweitet.
Ein Lied von Peter Strauch, einem freikirchlichen Theologen und Liedermacher, hat uns eingestimmt und zeigt in seiner Geschichte auch eine Erfahrung des Weitens. Es ist schon früher ins evangelischen Gesangbuch gekommen. In einem Beitrag zu diesem Lied weist Peter Strauch auf eine kleine aber wichtige Änderung im Text der 3. Strophe hin. Vor 45 Jahren hatte er als junger Mann gedichtet – Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn. Die Fassung im Gotteslob nutzt als Formulierung, Es gibt Tage, die scheinen ohne Sinn, die für Peter Strauch durch Erfahrungen im Laufe seines Lebens passender wurde.
Rufen wir nun Gottes Erbarmen an, das uns auch solche Erfahrungen ermöglichen möchte.
Predigt: Liebe Mitchristen
Viele beten regelmäßig, oft täglich, das Gebet des Herrn. Was bedeutet es für Sie, wenn Sie im Vater unser beten Dein Reich komme? – In Jesu Gleichnisworten vom Reich Gottes hörten wir gerade etwas zu dieser Seite unseres Glaubens. Konnten die Gleichnisse da in Ihnen etwas bestärken? Gibt es eine Seite des Himmelreiches, die Ihnen deutlicher auffiel?
Das erste Gleichnis nutzt eine Erfahrung der Landwirtschaft.\
Im Vater unser beten wir: „Erlöse uns von dem Bösen"\
Wie kann das denn gehen? Was ist dabei wichtig?\
Wie geht ein angemessene Umgang mit Gutem und Bösem?\
Da kann uns das heutige Gleichnis, glaube ich, wichtiges sagen. Denn es gibt, so sagen uns Sozialpsychologen eine menschliche Eigenschaft, die unsere Wahrnehmung auf das Schlechte, das Negative fokussiert. Wer dazu im Internet mit Stichworten wie Negativitäts-Effekt oder Negativitybias sucht, findet ziemlich viel. Das hängt auch damit zusammen, dass diese Eigenschaft von den kommerziellen sozialen Medien ausgenutzt wird, damit die Nutzenden online bleiben. Es ist gleichzeitig ja nicht überraschend: Wer sich sehr mit dem Bösen beschäftigt, sieht nur noch Böses.
Es kommt also auf die bewusste Formung der eigenen Sichtweise an. Dazu möchte das Gleichnis einen Beitrag leisten. Es endet ja nicht mit dem Verbrennen des Bösen, welches keinen Bestand hat, sondern mit der Ernte des Weizens, mit dem Blick auf das Gute. Dieser Blick kommt, so die Forschung zu unserer menschlichen Psyche, nicht von allein. Potentielle Gefahren zu bekämpfen, solange es noch geht, hat sich in unserer Evolution bewährt. Aber nicht immer ist das gut möglich. Kennen Sie solche Situationen aus Ihrem Lebensumfeld?
Da stören sich Menschen an etwas bei ihrem Gegenüber, möchten es geändert wissen und bekämpfen so unbewusst auch Anteile in sich selber.
Manchmal ist es auch gar-nicht so klar, was nun wirklich langfristig gut ist. Vermutlich erleben wir das gerade in unserer jetzigen Lebensweise, wo einige Gewohnheiten, die uns Freude machen, langfristig negative Folgen haben. Die Klimakrise lässt uns dies gerade stärker spüren.
Und Jesu Perspektive im Gleichnis? Gewaltfrei geht der Gutsbesitzer mit dem Auftauchen des Unkrauts um. Das fällt oft schwer – lieber würden Menschen, wie die Knechte – aktiv etwas ändern. Und es gibt ja immer wieder Veränderungsbedarf – in unserem Lebensumfeld bei Fragen eines nachhaltigen Lebensstils oder bei den Kriegen und gewaltsamen Konflikten unserer Zeit und der Suche nach Wegen des Friedens.
Aktiv etwas zu machen – das erscheint attraktiv, entpuppt sich dann oft als gewalttätig. Wachsen lassen ist eine andere Haltung, gerade bei vielen notwendigen Veränderungen unserer Gesellschaft. um nachhaltiger zu werden braucht es Geduld, muss uns eine neue Weise des Miteinanders zuwachsen.
Es hilft, sich achtsam für erste kleine Wachstumszeichen zu öffnen. Wichtig ist dabei der Schulterschluss mit anderen, mit denen man sich gemeinsam stützen kann.
Gerade in Situationen der Veränderung erscheint das Neue, welches notwendig gebraucht, wie Unkraut und es gibt die Versuchung – gewalttätig zu werden. Das hat auch der Dichter unseres Eingangsliedes in seinem Leben wahrgenommen. Beim Hineinfinden in den Gottesdienst haben wir darüber ja kurz nachgedacht. Vieles wächst – so auch die beiden kleineren Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig. Hier zeigt sich eine Spannung zwischen dem Wachsen und dem Nutzen – vermutlich arbeitet ein Landwirt ja für etwas anderes, als dass auf seinem Acker die Vögel des Himmels Wohnung finden.
Ein Gegenmittel – um nicht vorschnell zu Urteilen – ist Dankbarkeit. Was macht Ihnen gerade Dankbarsein leicht? Statt auszureißen wird so der Boden für Neues bereitet. Wachsen lassen – ein Hinweis aus der 2. Lesung kann ermutigen: Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Lassen kann ein bewusster Akt des Vertrauens auf Gott und seinen Geist hin sein. Gott wird in uns aktiv – heißen wir dieses ,,Eintreten für die Heiligen" willkommen – versuchen wir, da mitzuziehen?
Das heutige Evangelium führt den Blick weiter als nur auf das eigene Streben. Lasst wachsen – und lenkt die Aufmerksamkeit auf das gute Ende, die Ernte, die von Gott geschenkt wird. All das kann Gelassenheit schenken, uns dabei unterstützen der Empörung nicht zu viel Raum zu geben und so in guter Weise handlungsfähig zu bleiben.
Das Ende eines Schuljahres lässt viele ja auch eine gewisse Ernte erleben. Die Zeugnisse zeigen Schülerinnen und Schülern, ob es gelang, das, was gelernt wurde, auch abzurufen. Damit ist auch für die Lehrkräfte eine wichtige Rückmeldung für das vergangene Arbeitsjahr verbunden.
Ob es für uns so konkrete Ernteerfahrungen gibt oder nicht immer wieder lohnt es sich, bewusst für ein paar Augenblicke in Gottes Gegenwart zu verweilen und auf das eigene Leben dankbar zu schauen – sich so leiten zu lassen. Dazu haben wir nun noch einige Augenblicke im gemeinsamen Schweigen.
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