14.Sonntag-LesejahrA

Biblische Lesungen:

1. Lesung Sach 9,9f

Antwort-Psalm 145

2. Lesung Röm 8,9.11-13

Evangelium: Mt 11,25-30

Predigt: Liebe Mitchristen

Das Evangelium heute, mit der Gebetserkenntnis Jesu und seiner Einladung an alle, die mühselig und beladen sind, ist eine zentrale Stelle im Matthäusevangelium. Es lohnt sich, sie immer wieder zu bedenken. — In ihr werden wir Zeuge eines Gebets Jesu, dass viel über unser Gottesverständnis als Christen aussagt. Niemand kennt den Vater, nur der Sohn, und der, dem es der Sohn offenbaren will. Christen finden den Zugang zu Gott dem Vater über ihre Beziehung zu Jesus Christus, über das Lernen von ihm. Er offenbart uns den Vater.

Ich möchte Ihnen heute von einem monatlichen Gottesdienst im Dekanat Böblingen erzählen, welcher für mich die Einladung Jesu im Evangelium sehr konkret werden lässt. Dieser Gottesdienst findet in Aidlingen statt und heißt Heilungsraum. Er wird dort in der katholischen Kirche am letzten Donnerstag im Monat gefeiert. Nach dem Hören auf Gottes Wort und einem kurzen Impuls dazu, kommen Menschen, die mühselig und beladen sind, im Gebet zu Jesus. Sie werden dabei von kleinen Segnungsteams unterstützt. Oft erleben sie in diesem Tun neue Lebenskraft – erquicken ist ja ein altes deutsches Wort dafür – und es klären sich nächste Schritte, die sie in ihrem Leben gehen möchten. Diese Einladung ist ja schon 2000 Jahre alt. Und immer wieder wird sie entdeckt von Menschen, die eben nicht zu den Weisen und Klugen gehören. Denn diese Wirklichkeit ist anders als das Wissen der Weisen und Klugen. Unmündige, Menschen, die wie z.B. Kinder in vielem auf andere angewiesen sind, fällt es leichter, sich dieser Beziehungswirklichkeit zu öffnen.

Wer so von Jesus, dem Sohn, lernen will, kann hineinfinden in eine Lebensorientierung, die nicht mehr das eigene Wollen in den Mittelpunkt stellt, sondern sich vom Willen Gottes leiten lässt. Bei Jesus ist ja schon der Name Programm. Jesus heißt übersetzt: Gott rettet. Diese Ausrichtung für das eigene Leben anzunehmen bedeutet ja nicht, sich zurück zu lehnen, und passiv alles von Gott zu erwarten. Jesus lädt uns ein, Sein Joch auf uns zu nehmen. Das Joch ist ein Tragholz für Lasten. Sein Joch bedeutet, er trägt mit, in seiner Nähe können wir lernen, die uns zugedachten Lebenslasten zu schultern. Diese Last ist leicht. Anders als Lasten, die durch Erwartungen von anderen oder auch von uns selber entstehen. Solche Lasten können uns niederdrücken, das Leben fast erdrücken.

Ich kenne einige spirituelle Autoren und weiß auch von konkreten Menschen, denen hat der Zugang, den die Selbsthilfebewegungen zu dieser Einladung Jesu gefunden hat, geholfen, etwas vom rettenden Gott zu erleben. Daher inspiriert mich dieser Fund den man z.B. unter 12-Schritte Programm im Internet nachlesen kann immer wieder.

Wer mit diesem Programm den eigenen Lebensweg neu ausrichtet, hat als erstes eingesehen, dass er oder sie das tägliche Leben nicht mehr bewältigen kann. Eine Einsicht, die wir ja an der Oberfläche nicht mit Weisen und Klugen verbinden würden. Mit der Einsicht, dass Gott retten kann, reift dann der Entschluss, seinen Willen und sein Leben der Sorge Gottes, wie ihn jede und jeder für sich versteht, anzuvertrauen. Es gibt dann (im Schritt 6) – zusammen mit einer wachsenden Selbsterkenntnis – die Bereitschaft, Verhaltensweisen, die das Leben behindern, von Gott entfernen zu lassen. Oft gilt es, Versöhnung zu suchen, weil manche der bisherigen Strategien andere Menschen oder auch einen selbst verletzt haben. Einer der letzten Schritte in diesem Programm lautet: die persönliche Beziehung zu Gott zu verbessern, um die Erkenntnis zu beten, seinen Willen zu sehen und die Kraft, ihn umzusetzen.

Dieses Gebetserkenntnis Jesu, dass Unmündige etwas erkennen, was anderen eher verschlossen bleibt, zeigt sich für mich in dieser sehr vielfältigen Bewegung deutlich. Eine Selbsthilfe, die damit beginnt, anzuerkennen, dass man selbst es nicht im Griff hat, ist im Grunde ja paradox. Eigentlich ein Widerspruch in sich – und dann doch ein Schritt in eine heilsame neue Lebensweise. In der wir anerkennen, wir sind angewiesen auf eine Macht, die größer ist als wir. In der wir zum Glauben kommen, dass diese Macht uns retten kann.

Das ist übrigens im Zentrum des Anliegens eines Heilungsraum-Gottesdienstes. Neue Lebendigkeit suchen Menschen in Jesu Nähe. Unterstützen sich dabei im gemeinsamen Gebet. Im begleitenden Gespräch kann dann auch manches losgelassen werden, was das eigene Leben gerade stört. Jesus sagt: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. – wir dürfen vertrauen, dass er mitträgt in seinem Joch, wenn wir es von Ihm nehmen.

Es gibt Bibelstellen, die sich lohnen zu verinnerlichen. Andere Sprachen kennen dafür den Ausdruck, mit dem Herzen lernen – auswendig einen Zugang dazu haben. Deshalb hat eine Musikerin den letzten Teil der heutigen Schriftlesung als Lied gestaltet. Sie ist mit einer Bewegung verbunden, deren Leitgedanken ist, Gott kennen und ihn bekannt machen – übrigens auch der letzte Schritt bei dem 12 Schritte-Programm, die rettende Perspektive, die sich gezeigt hat, nicht für sich zu behalten.

Diese Ausrichtung kennt auch das Evangelium. Hier in diesen Worten Jesu in der Mitte des Matthäusevangeliums geht es um das von ihm lernen. Das hat viel mit einer Beziehung zu ihm zu tun, die uns dann mehr offenbaren wird. Am Ende des Evangeliums bekommen dann diejenigen, die in dieser Lernbeziehung stehen, das biblische Wort dafür ist, Jüngersein, den Auftrag allen Menschen diese Beziehung zu erschließen, sie mit ihnen zu teilen.

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