13.Sonntag-LesejahrA

Biblische Lesungen:

1. Lesung 2 Kön 4,8-11.14-16a;

Antwort-Psalm 89

2. Lesung Röm 6,3-4.8-11

Evangelium: Mt 10,37-42

Predigt: Liebe Mitchristen

Das Wort Gottes heute mutet uns Paradoxe, also widersprüchliche Sätze zu. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

Was mag das bedeuten, wenn Jesus sagt: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Das Kreuz steht oft für Leid in der Welt. Eigenes Leiden anzunehmen ist schwer, Leid erscheint oft sinnlos, macht keinen Spaß. Gleichzeitig kippt es schon im Wort Leiden. Wir sind froh, von einem anderen Menschen hören zu dürfen, ich mag dich leiden.

Jedem von uns ist klar, wer nicht in der Lage ist, auch in einer weniger angenehmen Situation zu bestehen, dem wird das Leben schwer werden. Es könnte sein, dass er das Leben verliert, auch wenn er es sucht. — Wer bewusst Sport treibt oder Musik macht, lernt zu üben, sich einer Disziplin zu unterwerfen. Lernende haben so wichtiges verinnerlicht, oft sogar Spaß daran. Lernende sein, ein anderes Wort dafür ist Jünger-sein – ist eine zentrale Haltung christlicher Spiritualität. Jesus will seinen Jüngern, Menschen, die von ihm lernen, ermöglichen, das Leben gut zu leben. Hören wir so auf die Worte des Evangeliums heute.

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, Wenn Eltern die Rolle im Leben haben, die allein Gott zufällt, das Tun dominieren, läuft es falsch. Leben gelingt dem, sagt Jesus, der sich der eigenen Verantwortung, den eigenen Sichtweisen stellt, sie wertschätzt und in Bezug zu Christus bringt.

und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert auch die nächste Generation darf nicht in diese Position kommen. Wer seine Kinder vergöttert, der schadet auf Dauer ihnen und sich selbst.

Christen, auf den Tod, das Kreuz Christi, getaufte Menschen finden das Leben, weil sie ihr Kreuz an- und aufnehmen. Das ist nicht zuerst fromme Sprache, sondern weist auf eine wichtige Seite des Lebens hin. Lernen ist fast gleichzusetzen mit dem Annehmen von schwierigen Seiten des Lebens. Und dieses Lernen geschieht oder es geschieht nicht und wer hineinfindet, in das Jüngersein, der erfährt etwas von den Möglichkeiten, die diese Beziehung zu Jesus Christus, zu Gottes Sohn, schenken kann. Darin ist ein wichtiger Schatz für das Leben verborgen. Ein Schatz für jeden, dem im Leben Leidvolles begegnet.

Jeder Mensch muss sterben. Beim Umgang mit dieser Gewissheit zeigt sich oft eine Abfolge von Lernschritten. Diese taucht natürlich auch bei anderen schweren Themen auf, wie den Verlust der Arbeit, eine bedrohliche Beziehung, das Wissen um chronische Krankheit. Lernen, ist in dieser Sichtweise oft harte Arbeit. Denn es ist Normal, beim Lernen mit schweren Seiten des Lebens zu ringen. Die Evangelien berichten es von Jesu selbst am Ölberg.

Jesu Wort Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt ist nun der Anstoß, über Lernschritte nachzudenken, die sich oft zeigen. Manches wird Ihnen vertraut sein, andere Schritte gilt es, wenn die Zeit kommt, zu gehen. — Zu Beginn steht die Erfahrung:

  1. Man will das Kreuz, das Leiden nicht wahrhaben. – Verdrängen passiert ohne böse Absicht. Die aktuelle anstehende Energiewende ist dafür ein Beispiel. Viele haben sich an die Möglichkeiten des Autos gewöhnt, die Fahrzeuge werden immer größer – auch wenn wir Menschen weniger Energie dort verbrauchen sollen und im Grunde auch wollen.

  2. Man wird ärgerlich – Ärger und Wut sind in unserer Gesellschaft da. Für eine gute Zukunft muss sich viel verändern. Klimakatastrophe, schwindende Ressourcen, Ungleichheit in der Welt, all das lässt sich kaum mehr verdrängen. Im Ärger, in der Wut ist viel Energie verhanden, Energie, die gebraucht wird, um Veränderung zu gestalten.

  3. Man fängt an, zu verhandeln – Gerade wenn Menschen gesundheitliche Schläge hinnehmen müssen, ist ein Verhandeln oft naheliegend und zeigt sich in einem Satz wie: Wenn nur noch dieses oder jenes möglich ist

  4. Dann wird man depressiv – Wenn weder der Ärger noch der Weg der Verhandlung etwas bringt, lauert die Mutlosigkeit. Es hat ja doch keinen Zweck, ich bin halt ein armes Schwein. Keiner mag mich — Das Selbstmitleid zieht den Menschen in den Keller.

Der Glaube weist dann einen Weg heraus. Und im Annehmen dieser Widrigkeiten, gewinnen Menschen oft neue Kraft, eine tiefere Wahrnehmung, eine neue Qualität des Lebens, lernen sie etwas Neues, Wichtiges über sich selbst, z.B. dass es möglich ist, anders zu leben, dieses oder jenes wieder neu wichtig zu nehmen, oder oder — In der Rückschau überrascht es, wie schwer dieser Weg war. Oft erscheint es als unnötig, hätte doch leichter gehen können, hätte …. Ist es aber nicht. Das Leben, das Jüngersein, das „bei Jesus zu lernen" ist schwer. Wie das Lernen als Zentrales im Leben unsere ganze Aufmerksamkeit braucht.

Trost für diesen Weg schenkt die Gewissheit: Keiner muss diesen Weg alleine gehen. Jesus ist bei uns. Dies zeigt sich ganz konkret. Jesus ist in den Jüngern gegenwärtig – diese Emmauserfahrung dürfen wir immer wieder bewusst erkennen. Auf dem Lebensweg sind wir füreinander da. Dürfen wir einander aufnehmen und stärken. Einander dürfen wir das Wasser reichen. Dies ist gesegnet, wird belohnt, wie immer es sich zeigen wird. So wird Kirche lebendig als Weggemeinschaft derer, die als neue Menschen leben, wie Paulus uns ermahnt. Die Taufe hat dies möglich gemacht. Lassen Sie uns einige Augenblicke in der Stille Gott dafür danken, auch für Personen beten, mit denen wir auf unserem Weg zusammen sind und sein Wort weiter in uns bedenken.

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