Biblische Lesungen:
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Lesung Ex 19,2-6a und Ps 100 als Antwortpsalm
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Lesung Röm 5,6-11
Evangelium: Mt 9,36 – 10,8
Einleitung
Unser Lied GL 144 greift den Ps 100 auf. Er wird uns heute als Antwortpsalm noch einmal begegnen.
Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade – lautet dann die Antiphon für uns als Gemeinde, wenn der Kantor den Psalm rezitiert.
Was verbinden Sie mit diesem Volk?
Hatte diese Erwählung, diese Zugehörigkeit in der Woche bei einer persönlichen Entscheidung eine Rolle gespielt?
Konnten Sie diese Gnade spüren – wo hätten Sie sich mehr Führung von IHM gewünscht?
Vieles aus der vergangenen Woche ist so wieder lebendig – halten wir es im Kyrie Gott hin
Liebe Mitchristen
Ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. Dieser Schluss der ersten Lesung lässt an eine eine interessante Entwicklung in unserem Selbstverständnis von Kirche denken, die sich sogar in der Alltagssprache zeigt. Mitglied dieses Volkes – griechisch LAOS – sind Laien. Die Bezeichnung der Mitgliedschaft im besonderen Volk Gottes – ein Ehrentitel – hat nach und nach seine positive Bedeutung verloren. — Dies gilt auch für die Kirchen der Reformation, obwohl Martin Luther die Aufmerksamkeit auf das ganze Volk Gottes richten wollte. Die Profis haben mehr Bedeutung und es verschieben sich Rollen – also Erwartungen an unterschiedliche Personen im Leib Christi. Im Dokument zum Selbstbild von Kirche – Lumen Gentium – hat das Vat II eine Neuorientierung angestoßen. Natürlich braucht diese Änderung Zeit zum Ankommen.
So thematisiert z.B. Papst Leo in seiner Generalaudienz am 1.4.26 das Kirchenverständnis. Er beginnt mit einem Zitat von Papst Franziskus aus Evangelii Gaudium 102: Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger Papst Leo ist es wichtig, die Rolle der Laien positiv zu fassen und nicht als Abgrenzung vom Klerus. Er beginnt mit LG 32 »Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: ›Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe‹ (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe« Die Laien haben eine ihnen eigene Würde und einen ihnen eigenen Auftrag dazu LG 31 »Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden, […] die, durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben«
Als Augustiner fährt Papst Leo dann fort: Das heilige Volk Gottes ist also nie eine formlose Masse, sondern der Leib Christi oder, wie der heilige Augustinus sagte, der »Christus totus«: Es ist die organisch strukturierte Gemeinschaft, kraft der fruchtbaren Beziehung zwischen den beiden Formen der Teilhabe am Priestertum Christi: dem gemeinsamen Priestertum der Gläubigen und dem Priestertum des Dienstes. Durch die Taufe haben die gläubigen Laien Anteil am Priestertum Christi. Denn »da der ewige Hohepriester Christus Jesus auch durch die Laien sein Zeugnis und seinen Dienst fortsetzen will, macht er sie durch seinen Geist lebendig und treibt sie unaufhörlich an zu jedem guten und vollkommenen Werk« Dieses Zitat Leo’s aus LG 34 schließt nun den Auszug aus der Botschaft der Generalaudienz ab.
Helfen Ihnen diese Gedanken beim Hören des Bibelwortes vom Reich von Priestern, vom heiligen Volk? Schon Papst Franziskus hat öfter den Klerikalismus als eine der zentralen Versuchungen der Kirche bezeichnet. Im Buch Exodus folgt auf unsere Lesung bald die Überreichung der 10 Gebote an das Volk Israel. Sie sind die Grundlage des Bundes Gottes mit Israel. Gott hat es in die Freiheit geführt. So kann es auf die Stimme des Herrn hören. Es ist mitverantwortlich dafür, dass alle Völker der Erde den wahren Gott erkennen und ehren können.
In der gleichen Herausforderung stehen wir Christen mit dem neuen Bund in Jesus Christus. Das heutige Evangelium hat da für mich 2 wichtige Seiten. Einmal nennt Jesus, als er die Apostel aussendet, zuerst 2 Nichtziele (Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samaríter), um den Aposteln ihren konkreten Auftrag zu verdeutlichen. Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, was wir nicht tun (können oder wollen). Antrieb für Jesus ist das Mitleid und die Erkenntnis, allein wird er den Menschen nicht wirklich helfen können. Er bindet die Menschen ein, die sich mit ihm nach dem Anbrechen des Reiches Gottes sehnen und die ihm gefolgt waren. Er fordert sie zum Gebet auf und traut ihnen viel zu.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Beten um Arbeiter für die Ernte eine wichtige Vorbereitung für das eigene Engagement ist. Beten heißt: vor Gott zu sein und zu hören, sich der Kraft und dem Ruf Gottes zu öffnen. Die 12 Jünger werden dann mit Namen gerufen. Als Getaufte sind wir, Sie und ich, mit unseren je eigenen Namen in den Augen Gottes angesprochen und in Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht.
Nach dem Ruf gibt Jesu den Jüngern Vollmacht konkret die Fähigkeit unreine Geister auszutreiben, Krankheiten und Leiden zu heilen. Das nahe Himmelreich wird zumeist durch nonverbale Sprache, durch Erfahrungen des Heils, verkündigt.
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Heilt Kranke! Die beste Medizin des Menschen ist oftmals der ihm zugewandte Mensch.
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Weckt Tote auf! Kennen Sie Menschen, die wie Tote sind, ohne Lebenskraft, ohne Perspektive, ohne Hoffnung? Schon damals gab es den sozialen Tod, z.B. durch den Aussatz. Die Aussätzigen tauchen daher gleich danach auf. Es gibt dies auch heute. Fremdes, Bedrohliches führt unter Menschen immer zur Ausgrenzung — Jesus möchte Wege in die Gemeinschaft, in die Sammlung auf Gott hin ebnen, auch für Arbeitslose, Behinderte, Ausländer, Asylanten, Haftentlassene. Höre ich da einen Ruf in mir, einem konkreten Menschen eine Brücke zu bauen?
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Treibt Dämonen aus! Moderne Dämonen waren für eine Gruppe mit der ich vor einiger Zeit diese Bibelstelle betrachten konnte, erfahrbar als Süchte oder Ängste. Welche Abergeister – so übersetzt ein Theologe unserer Zeit das Wort Dämon – erleben Sie gerade? Zum Austreiben hilft die letzte Weisung des heutigen Evangeliums, die wesentlich für unser Selbstverständnis sein könnte.
Ihr habt von Gott empfangen und sollt es weitergeben — als Geschenk, umsonst. Der Urchristenheit war dies sehr wichtig. Das Wichtigste im Leben ist nur als Geschenk, weder für Geld noch für mich allein zu haben, wie Liebe, Zuwendung, Erfüllung mit dem Geist Gottes. All das ist umsonst im Sinne von Gratis (da steckt das Wort Gratia also Gnade dahinter) es ist unbezahlbar.
Dafür lohnt es sich auch heute als heiliges Volk und Reich von Priestern Zeugnis zu geben. ganzheitlich zu verkünden Das Reich Gottes ist nahe, es ist angebrochen, es ist unter uns.
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