Pfingstmontag2026

Biblische Lesungen:

Lesung Eph 4,1b-6

Evangelium Joh 15, 26 — 16, 3.12–15

Liebe Mitchristen

Heute, am Pfingstmontag, kommt durch das Evangelium das Zeugnis der Glaubenden in den Blick. Die Lesung aus dem Epheserbrief weist auf das Einende des Geistes Gottes hin, eine Erfahrung, der wir uns in den letzten Jahrzehnten mehr öffnen konnten. Heute werden ja an vielen Orten ökumenische Gottesdienste gefeiert. Und wir erleben konkreter, wie passend das Leitwort von Renovabis in diesem Jahr — zusammen wachsen — für das Pfingstfest ist.

Eine Taufe, ein Glaube, ein Gott und Vater aller – so haben sich die großen Kirchen vergewissert. Diese Grundlage für das gemeinsame Gebet verbindet uns durch das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu. Jesu Tod am Kreuz bringt sein Wirken auf den Punkt. Er ist für uns Mensch geworden. Und die Auferstehung erschließt etwas, was sich nur mit den Augen des Glaubens eröffnet. Pfingsten ist für uns in unserem Glaubensleben wie ein Doppelpunkt. Nun geht es für uns los. Jetzt kann sich die Kraft des Glaubens zeigen, ist das Zeugnis der Jünger gefragt. Deshalb gilt es die Einheit zu wahren durch das Band des Friedens.

Kränkungen, verletzende Situationen stören diese Einheit, schaffen Unfriede und passieren immer wieder. Oft ist es dann schwer angemessen damit umzugehen. Wer Kränkungen nicht loslassen kann, in dessen Inneren gärt es. Negative Gefühle wie Wut, Angst oder Schmerz führen schließlich zu Bitterkeit, machen Körper und Seele krank. In den letzten Jahren sind solche schädigenden Folgen mehr ins Bewusstsein gekommen. Viele wissenschaftliche Studien belegen, wie gesundheitsfördernd es ist, zu verzeihen und Schuld loszulassen. Das Evangelium des Pfingstsonntags erzählt wie Jesus die Jünger anhaucht und sie befähigt, zu vergeben. Vergeben wirkt heilsam. Sie kann die zerstörerische Wirkung von Verbitterung stoppen. Z.B. zeigt ein Forschungsprojekt von Frederic Luskin an der Stanford University (mehr zu diesem Forscher findet sich u.a. hier), wenn verbitterte Menschen lernen, ihren Tätern zu verzeihen

  • senkt es den Blutdruck und das Kortisol im Blut;

  • wirkt es gegen Rückschmerzen, Depressionen und chronischen Schmerzen oder Kummerspeck;

  • hilft gegen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und weitere psychosomatische Beschwerden.

Wer jemandem etwas nachträgt, bestraft sich nur selbst. Wem bewusst wird, anderen eine Schuld und damit eine Last sinnlos hinterher zu tragen, findet eher aus diesem selbstschädigenden Verhalten heraus. Ungute Verhaltensmuster bringen sonst immer wieder neu Verletzungen, oft auf beiden Seiten.

Was hält davon ab, zu vergeben? Selbst wer vergeben will, weiß oft nicht wohin mit seiner Kränkung. Oberflächliches Verzeihen wirkt da nicht. Schmerzende Gefühle kommen häufig wieder zurück. Gefühle brauchen einen Raum der Annahme. Das geschieht nicht auf Knopfdruck. Es hilft, herauszufinden, warum etwas so verletzend war — wenn nötig mit fachlicher Hilfe. Oft ermöglicht ein Vergebungsprozess nicht weiter fremde Schuld in sich zu tragen. Und braucht Zeit.

Vergeben heißt nicht gutheißen, sondern loslassen. Dieses frei-werden ist zentrales Thema der Bibel. Jesus lädt jeden Menschen ein, mit fremder und eigener Schuld zu ihm zu kommen, um die Sache zu klären, loszulassen, ganz zu überlassen und wirklich frei zu werden.

Eigenverantwortung annehmen Wer es schafft, sich für die eigene Verbitterung verantwortlich zu fühlen, anstatt ihr zum Opfer zu fallen, dem kann der Ausstieg gelingen, denn es gibt ihn. Keiner ist gezwungen, die Bitterkeit weiter zerstörerisch wirken zu lassen. Vergeben heißt nicht, dass Versöhnung stattfinden kann oder muss. Genauso wie es unlösbare Konflikte gibt, ist es eine Einbildung, dass mit jedem Menschen oder Täter eine Versöhnung erreicht werden kann.

In der Bitterkeit liegt eine enorme Wirkung — aber ebenso in der Vergebung. Die Entscheidung sollte eigentlich klar sein, für alle, die sich etwas Gutes tun wollen. Möglicherweise gelingt es sogar, einer ursprünglichen Kränkung oder Verletzung irgendwann eine positive Seite abzugewinnen. Wer zum Beispiel nicht befördert wurde, dessen könnte Fazit so lauten: „Wie gut, dass ich nicht weiter im Hamsterrad der Karriere laufen muss."

Der Geist Gottes nimmt Wohnung in den Menschen, den Getauften und drängt sie, sich ins Leben einzubringen.

Den Getauften schenkt dieser Geist Gaben, Kräfte und Dienste von Gott. Zeugen für die Welt sollen wir sein, wir könnten auch sagen Mittler – daher spricht die religiöse Sprache vom gemeinsamen Priestertum der Getauften. Getaufte haben Anteil an Christus, dem Herrn, dem Hohenpriester, dem Mittler unseres Glaubens, sind gesandt, wie er selbst von Gott gesandt ist.

Es kommt wesentlich darauf an, dass der Geist wirken kann, der damals am Pfingstfest auf die Apostel und die mit ihnen versammelten Frauen und Männer herabgekommen ist. Denn dieser bewirkt, was uns Menschen schier unmöglich erscheint: Fremdheit wird überwunden, gegenseitiges Verständnis entsteht, Einheit in Vielfalt. Heute dürfen wir uns diesem Heiligen Geist anvertrauen und zu ihm rufen: „Komm, Heiliger Geist, erfülle unsere Herzen und entzünde in uns das Feuer deiner Liebe."

Mich spricht in diesem Zusammenhang ein neues pfingstliches Lied besonders an. Bitte schlagen Sie 818 mal auf. Diesem Hauch, als geheimnisvollen Atem, als Quelle unseres Lebens -dürfen wir uns immer wieder von Gott erhoffen, so ein Gedicht eines Priesters aus dem letzten Jahrhundert (Lothar Zenetti, der vor 100 Jahren geboren wurde.) Er hat einige sehr nachdenkenswerte Texte geschrieben. Dieses Gedicht wurde von dem Verantwortlichen für Kirchenmusik in unserer Diözese vertont.

Wir singen die erste Strophe

Menschen, die sich nicht diesem Geist von Gott, diesem Hauch, der uns zu neuen Menschen werden lässt, der Vergebungskraft schenkt, öffnen sind wie tot.

Oft braucht es auch neue Weisen des Redens, eine neue Sprache – das wird in unserer Zeit z.B. deutlich, wenn wie versuchen, inklusiver zu sprechen, und so Männern wie Frauen helfen, gemeint zu sein, zusammen zu wachsen.

dann die 2.+3. Strophe

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